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Kleeblatt-SystemVerlegung schwerkranker Covid-19-Patienten gestartet

In Bayern, Thüringen und Sachsen schaffen es die Kliniken nicht mehr, daher gab es am Wochenende die bisher größte Aktion zur Verlegung von Intensivpatienten nach dem Kleeblatt-System.

Airbus A310 MedEvac
Kevin Schrief/Bundeswehr

Der Airbus A310 MedEvac, eine „fliegende Intensivstation“ mit sechs Behandlungsplätzen.

Bei der bisher größten Aktion zur Verlegung von Intensivpatienten sind am Wochenende knapp 50 Schwerkranke aus den Ländern Bayern, Thüringen und Sachsen in andere Bundesländer gebracht worden. Die Verlegung im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Systems dient der Entlastung von Intensivstationen in den drei von der vierten Corona-Welle besonders hart getroffenen Bundesländern. Die Situation auf den Intensivstationen in den Corona-Hotspots wird von Medizinern als dramatisch beschrieben. Allein in Bayern lagen am 28.11.2021 nach Angaben des Intensivregisters mehr als 1000 Covid-Patienten auf den Intensivstationen, über die Hälfte davon unter Beatmung.

Verlegungen in EU-Nachbarstaaten möglich

In Zukunft könnten auch Verlegungen ins Ausland anstehen, sollten die Kapazitäten in Deutschland nicht mehr ausreichen, sagte der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen der „Welt am Sonntag“. „Anhand der Neuinfektionszahlen müssen wir davon ausgehen, dass Hunderte Intensivpatienten verlegt werden müssen“, sagte Dahmen der Zeitung. „Weil der Bedarf so eklatant ansteigen könnte, werden möglicherweise auch Verlegungen in EU-Nachbarstaaten notwendig“, fügte der Bundestagsabgeordnete hinzu.

Aus Bayern seien bis zum Sonntag 29 Patienten verlegt worden, teilte Prof. Hermann Schröder, seit Mai 2021 Vorsitzender des Arbeitskreises Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung der Innenministerkonferenz, am Sonntag in Stuttgart mit. Im Einsatz dafür waren nach seiner Auskunft neben Intensivtransportwagen (ITW), ein Großraum-Intensivtransportwagen, Ambulanzflugzeuge und ein A310 MedEvac Flugzeug der Bundeswehr.

Patienten aus Bayern ins UKSH

Dieser Spezial-Airbus, der auch als „fliegende Intensivstation“ beschrieben wird, hatte bereits am Freitag sechs Patienten von Memmingen aus nach Nordrhein-Westfalen gebracht. Am Sonntag flog er fünf schwerkranke Corona-Patienten von München nach Hamburg. Anschließend wurden die Intensivpatienten aus Oberbayern und Schwaben nach Schleswig-Holstein gebracht, wo sie weiter intensivmedizinisch betreut werden. Je zwei von ihnen trafen am Abend in den Universitätskliniken Lübeck und Kiel ein, wie ein Sprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) mitteilte. „Weitere Intensivtransporte im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Konzeptes werden in den kommenden Tagen erwartet.“

Das UKSH hatte bereits zu Beginn der Coronapandemie Ende März 2020 sechs französische Patientinnen und Patienten aufgenommen, die alle bis Mitte Mai 2020 geheilt entlassen werden konnten, wie die Uniklinik berichtete. Auch Patienten aus anderen Bundesländern waren im Dezember 2020 an das UKSH verlegt worden. „Zuletzt hatte das UKSH am 2. November 2021 vier beatmungspflichtige Patienten aus Rumänien aufgenommen.“ Das UKSH verfügt nach eigenen Angaben nach Verdopplung der Intensivkapazitäten seit April 2020 über je 203 Intensivbetten auf dem Campus Lübeck und auf dem Campus Kiel.

Außerdem wurden am Sonntag laut Prof. Schröder sechs Patienten aus Thüringen sowie 14 aus Sachsen in andere Länder gebracht.

Zur Aufnahme der Intensivpatienten hatten sich durch Vermittlung der Länder Krankenhäuser in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bereit erklärt. Eine Verlegung von Patienten mit anderen Erkrankungen ist nach einem Kriterienkatalog der Intensivmedizinervereinigung DIVI nach dem Kleeblatt-System nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Das Konzept war im Frühjahr 2020 unter dem Eindruck der ersten Corona-Welle ins Leben gerufen worden.

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