Georg Thieme Verlag KG
kma Online

43 Millionen Menschen abgeschottetWeitere Ausbreitung des Coronavirus in China

Da sich das neue Coronavirus weiter ausbreitet, werden in Zentralchina zunehmend Städte abgeschottet. Die WHO betrachtet die Zustände als keine internationale Notlage. Jens Spahn mahnt zu Besonnenheit.

Virus
Sveta/stock.adobe.com

Symbolfoto

Fast 900 Menschen sind bereits nachweisbar mit dem Coronavirus infiziert. Die Zahl der Toten in China durch die neue Lungenkrankheit ist nun auf 26 gestiegen und dürfte weiter anwachsen, da es viele sehr schwer Erkrankte in den Kliniken gibt. Es sind weiterhin zumeist ältere Menschen mit schweren Vorerkrankungen betroffen. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wurden rund 43 Millionen Menschen in mindestens elf Städten der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina abgeschottet. Der öffentliche Verkehr mit Bussen oder Fähren sowie der Zugverkehr an andere Orte in China wurde gestoppt, wie die Stadtregierungen berichteten. Nach der Provinzhauptstadt Wuhan mit elf Millionen Einwohnern wurden auch in den Städten Huanggang, Lichuan, Jingzhou, Xianning, Huangshi, Chibi, Xiantao, Dangyang, Ezhou und Xiaogan strenge Bewegungswinschränkungen für Menschen erlassen.

Auch Fälle außerhalb Chinas bekannt

Laut chinesischen Behördenangaben vom Freitag starb ein Patient außerhalb der besonders stark betroffenen Provinz Hubei, zu der auch die Stadt Wuhan gehört. Der Todesfall wurde demnach in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang gemeldet. Bereits am Vortag war ein Todesfall in der nördlichen Provinz Hebei bekannt geworden. In den meisten Provinzen sind mittlerweile Infektionen bekannt. Vereinzelt wurde das Virus auch schon bei Patienten in anderen Ländern wie Japan, Südkorea, Thailand, den USA und Vietnam nachgewiesen. In Europa ist bisher kein Fall bekannt. Eingeschleppte Einzelfälle der neuen Lungenkrankheit sind deutschen Infektionsspezialisten zufolge aber auch hierzulande „wahrscheinlich“. Grund zur Besorgnis gebe es nicht, teilte die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie mit. Kliniken in Deutschland bereiteten sich aktuell jedoch vor, um auf diese Fälle schnell reagieren zu können.

„Noch keine Notlage von internationaler Tragweite“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah auch am Donnerstagabend keinen Grund, eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite auszurufen. „Es ist nicht der richtige Zeitpunkt“, sagte der Vorsitzende des Notfallsausschusses, Didier Houssin. Er verwies darauf, dass es im Ausland bislang nur wenig Fälle gebe, und dass China bereits selbst weitreichende Vorkehrungen getroffen habe. WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, China habe diejenigen Maßnahmen getroffen, die es für angemessen halte. „Wir hoffen, dass sie effektiv und von kurzer Dauer sind.“ Die WHO empfehle keinerlei Reise- oder Handelsbeschränkungen. Sie nehme den Ausbruch aber extrem ernst, sagte WHO-Chef Tedros. „Es ist noch keine Notlage von internationaler Tragweite, aber das kann es noch werden.“ 

Das Auswärtige Amt in Berlin riet dazu, nicht notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete zu verschieben. Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan werde als „moderat“ eingeschätzt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mahnte zu Besonnenheit. „Wir nehmen das sehr ernst, wir sind wachsam, aber mit kühlem Kopf“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in den ARD-Tagesthemen. Spahn lobte die Informationspolitik der Pekinger Regierung. Anders als bei der großen Sars-Pandemie, der 2002/2003 fast 800 Menschen zum Opfer gefallen waren, funktioniere der Austausch Chinas mit der internationalen Gemeinschaft. Es sei wichtig, die Krankheit einzuordnen, so Spahn. An Influenza stürben in Deutschland jedes Jahr rund 20 000 Menschen.

Alltag in ganz China überschattet

In ganz China überschattet der Ausbruch das kulturelle Miteinander, wie zum Beispiel das chinesische Neujahrsfest, das in der Nacht zum Samstag gefeiert wird. Selbst in Peking wurden Festivitäten wie Tempelfeste und andere Veranstaltungen abgesagt, um größere Menschenansammlungen zu verhindern. Einige Hundert Millionen Menschen sind zum wichtigsten chinesischen Familienfest in ihre Heimatorte gereist, was die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Virus noch vergrößerte. Die Behörden riefen die Menschen auf, einen Mundschutz zu tragen und andere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Aus Angst vor dem Virus schloss auch Disneyland in Shanghai vorerst seine Pforten.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!