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CoronavirusWirbel um Triage-Äußerungen eines Arztes in Zittau

Ein Mediziner aus Zittau hat davon gesprochen, dass es in der Region Ostsachsen zur gefürchteten Triage von Corona-Patienten gekommen sein soll. Das Klinikum Oberlausitzer Bergland betont: Die Lage ist ernst.

Intensivstation
Taechit/stock.adobe.com

Symbolfoto

Ein Mediziner aus Zittau hat mit Äußerungen um eine Triage von Corona-Patienten für Aufregung gesorgt. In einem Online-Forum hatte der Ärztliche Direktor des Oberlausitzer Bergland-Klinikums, Mathias Mengel, Berichten zufolge am Dienstagabend davon gesprochen, dass in Zittau schon mehrfach triagiert worden sei. Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen.

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) sprach von einem «Weckruf». Es sei bekannt, dass die Lage in Sachsen angespannt sei. Der Zittauer Oberbürgermeister forderte überregionale Hilfe bei der Verlegung von Patienten in weiter entfernte Krankenhäuser.

Intensivmedizin an Grenzen des Leistbaren

Dem Nachrichtenportal t-online erklärte der Mediziner Mengel: «Wir waren in den vergangenen Tagen schon mehrere Male in der Situation, dass wir entscheiden mussten, wer Sauerstoff bekommt und wer nicht.» Es werde versucht, die Patienten, für die es keine Versorgung gibt, in eine andere Klinik zu verlegen. «Aber wir sind im Epizentrum, manche Häuser nehmen gar nicht mehr auf.» Die Entscheidung könne auch bedeuten, dass es für einen nicht verlegungsfähigen Patienten dann keine entsprechende Hilfe mehr gebe.

Das Klinikum erklärte am Mittwoch, dass die Corona-Lage dort kritisch ist. Die Intensivmedizin stoße «an die Grenzen des Leistbaren», teilte der Träger, das Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz, mit. Die Kapazität der beiden eigens eingerichteten Corona-Infektionsstationen von insgesamt 100 Betten in den beiden Standorten des Klinikums könne nicht ausgeschöpft werden, weil Personal fehle. Zu den Aussagen Mengels äußerte sich das Klinikum insgesamt nur indirekt. Die deutlichen Sätze des Mediziners dementierte die Klinik aber nicht.

Bautzen und Görlitz sind Corona-Hotspots

Allerdings betonte die Einrichtung, dass alle Patienten, die in die beiden Krankenhäuser kommen, «die bestmögliche Therapie» erhielten. Sollten die Corona-Stationen keine Patienten mehr aufnehmen können, würden die Erkrankten in die umliegenden Krankenhäuser geflogen. Sollte das auch nicht mehr möglich sein, verschärfe sich die ohnehin angespannte Situation deutlich.

Koordiniert werden die Kapazitäten in Ostsachsen von einer Krankenhausleitstelle, die am Uniklinikum Dresden angesiedelt ist. In den vergangenen Tagen hätten «verstärkt» Patienten aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz in entferntere Krankenhäuser verlegt werden müssen, sagte der Chef der Leitstelle, Christian Kleber. Diese Transporte nach Dresden und Leipzig gebe es immer dann, wenn regionale Krankenhäuser keine Aufnahmekapazitäten für Corona-Patienten mehr hätten.

Noch habe es sich um Einzelfälle gehandelt. Es sei aber davon auszugehen, dass die Zahl der Fälle in den kommenden Tagen zunehmen werde. Ostsachsen mit den Kreisen Bautzen und Görlitz ist einer der Corona-Hotspots in Deutschland.

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