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Universität Basel12-Millionen-Förderung für Zukunftstechnologie in der Chirurgie

Forschende der Universität Basel möchten die Chirurgie mit einem individuell konfigurierbaren Roboter revolutionieren. Dafür erweitert die Werner Siemens-Stiftung ihre Förderung für das Projekt «Miracle» nun um zwölf Millionen Franken.

Projekt Miracle
Universität Basel / Christian Flierl

3D-Drucke wie dieser werden am Universitätsspital Basel vielfach zur Planung und zur Simulation von Eingriffen verwendet.

In der virtuellen Realität eine Operation planen, mit einer intelligenten Lasersäge hochpräzise den Knochen schneiden und 3-D-gedruckte Bioimplantate wie etwa ein neues Kniegelenk minimal invasiv einsetzen: Forschende des Projekts «Miracle» (Minimally Invasive Robot-Assisted Computer-guided Laserosteotome) wollen die Chirurgie transformieren, indem sie diese noch genauer an die Bedürfnisse der jeweiligen Patientin/des jeweiligen Patienten anpassen. 

In einer ersten Projektphase entwickelten die beteiligten Forschungsgruppen bereits Technologien, die im OP-Saal der Zukunft zum Einsatz kommen sollen. In einer zweiten Phase geht es nun darum, die einzelnen Systeme miteinander in einem modularen Roboter zu vereinen, der sich für den geplanten operativen Eingriff individuell konfigurieren lässt und zugleich OP-Lampen und -Tisch umfasst. Dieses System können die Chirurginnen und Chirurgen während des Eingriffs über eine Konsole überwachen. Für die zweite Projektphase stockt die Werner Siemens-Stiftung ihre Förderung für das seit 2015 laufende Projekt nun noch einmal um 12 Millionen auf insgesamt 27 Millionen Franken auf.

Implantate der Zukunft direkt im Körper drucken

In der ersten Projektphase hat das Team um Prof. Dr. Philippe Cattin, Co-Leiter beider Projektphasen von «Miracle» und Leiter des Department of Biomedical Engineering der Universität Basel, eine Virtual-Reality-Plattform zur Planung von Operationen entwickelt. Diese kommt im Spital bereits zum Einsatz. Nun sollen mit diesem System auch Form und Beschaffenheit von Implantaten entworfen werden. Gegenüber älteren, vorwiegend manuellen Verfahren werde dadurch eine schnellere und präzisiere Formgebung möglich. Die so geplanten Implantate sollen dann massgeschneidert mittels 3-D-Druck hergestellt werden. In Zukunft könnte es sogar möglich sein, die Implantate direkt im Körper zu drucken.

«Vieles, was wir am Computer chirurgisch planen können, ist mit den vorhandenen Werkzeugen noch nicht möglich», so der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg Dr. Dr. Florian M. Thieringer, der sich die Leitung für «Miracle II» mit Cattin teilt und auch dem 3-D-Print Lab am Universitätsspital Basel vorsteht. «Jetzt entwickeln wir die Technologie, mit der wir das im Operationssaal auch umsetzen können.» Dass die von ihm mitentwickelten Roboter eines Tages Chirurginnen und Chirurgen wie ihn selbst ganz ersetzen, fürchtet er aber nicht: Die exakte Planung und die strategischen Entscheidungen für den Eingriff blieben Sache des medizinischen Fachpersonals.

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