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Universitätsklinikum Bonn3D-gedruckte Gefäß-Modelle für Sonographie-Training

Um Frühdiagnosen schneller stellen zu können, entwickelt eine fachübergreifende Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Bonn (UKB) für den Ultraschall geeignete Modelle von Gefäßen und Gelenken aus dem 3D-Drucker. Auch 3D-Modelle von Ungeborenen sollen entstehen.

Gefäß- und Fingergelenke 3D-Drucker
Universitätsklinikum Bonn/Rolf Müller

Die Arbeitsgruppe „3D-Druck“ am UKB zeigt eine Ultraschalluntersuchung eines 3D Kniegelenkmodells.

Eine erfolgreiche, individuell angepasste Therapie von rheumatologischen Erkrankungen braucht eine korrekte Diagnose. Schnell, ohne invasiven Eingriff bildet eine Ultraschall-Untersuchung die oberflächlichen Strukturen eines Gelenkes als auch Sehnen, Muskeln, Nerven und Blutgefäße höher auflösend als mittels Magnetresonanztomographie (MRT) ab. Um Studierende und Ärzt*innen hierin zu trainieren, hat sich die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „3D-Druck“ am UKB gegründet.

Ins Leben gerufen wurde sie von Privatdozent Dr. Valentin S. Schäfer, Leiter der Rheumatologie und klinischen Immunologie an der Medizinischen Klinik III, der sich auf die Diagnose der Riesenzellarteriitis fokussiert. Betroffene leiden vor allem unter starken Kopfschmerzen, Empfindlichkeit in der Schläfenregion, Sehstörungen und Schmerzen beim Kauen, sowie häufig Gewichtsverlust und Nachtschweiß. Wird sie zu spät diagnostiziert und ergo nicht behandelt, kann eine Erblindung drohen.

„Damit unsere Studierenden sowie Rheumatologen eine Diagnose per Sonographie der betroffenen Schläfenarterie, üben können, gibt es aber nicht genug Patienten mit akuten Krankheitsgeschehen“, beschreibt Rheumatologe und Internist Schäfer.

Achsel- oder Schläfenarterie aus dem 3D-Drucker

Vor drei Jahren probte er zunächst mit einem ganz einfachen 3D-Drucker Schicht für Schicht erste Gefäße nachzubilden, doch die räumliche Auflösung reichte nicht aus. Daher setzt er zur Darstellung der sehr feinen Strukturen neuerdings auf Stereolithographie mit speziellen Resinharzen. Später wird das gedruckte Modell in eine spezielle Gelantine eingebettet, die fast der natürlichen Umgebung für eine Ultraschalluntersuchung entspricht. Ein Druck von der Schläfenarterie, fachsprachlich Arteria temporalis, oder der Achselarterie, fachsprachlich Arteria axillaris, dauert in etwa zwölf Stunden – und zwar eins zu eins zur menschlichen Vorlage moduliert.

Wir können im Ultraschallmodell die Gefäßwandverdickung, die typisch für die Riesenzellarteriitis ist, exzellent nach allen europäisch publizierten Ultraschalldaten nachbilden“, betont Privatdozent Schäfer. Am UKB werden die 3D-Modelle der Riesenzellarteriitis bereits im Blockpraktikum und Wahlfach Rheumatologie eingesetzt. Zudem werden die Modelle aktuell innerhalb der europäischen Ultraschallgruppe zur Bildgebung von Großgefäßvaskulitiden, umgangssprachlich auch Großgefäßrheuma genannt, geprüft. Eine erste Publikation zur Machbarkeit ist bereits erschienen.

Zudem hat die Arbeitsgruppe der Universität Bonn auch 3D-Modelle vom verschiedenen Gelenken wie dem Kniegelenk, dem Handgelenk und Fingergelenken für die Ultraschall Lehre in der Rheumatologie entwickelt. So können Studierende neben der Gelenksonographie auch das Punktieren, also das gezielte Setzen einer Nadel, in ein Gelenk unter Ultraschall-Kontrolle üben.

3D-Modell eines Fötus für Fehlbildungsdiagnostik

In Kooperation mit der Frauenheilkunde entstanden künstliche Fetus-Modelle. „Anhand dieser 3D-Nachbildungen können wir typische Ultraschall-Untersuchungen und mögliche krankhafte Abweichungen modellieren und damit auch simulieren“, sagt Dr. Florian Recker, Lehrbeauftragter des Zentrums für Geburtshilfe und Frauenheilkunde am UKB.

Derzeit arbeiten die Bonner Mediziner daran verschiedene Strukturen im Gehirn des Fetus per 3D-Druck darzustellen, unter anderem die Nackentransparenz. Die unter der Haut gelegene Flüssigkeitsansammlung im Nackenbereich eines ungeborenen Kindes ist wichtig bei der Fehlbildungsdiagnostik in der 11. bis 14. Schwangerschaftswoche.

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