Georg Thieme Verlag KG
kma Online

Roboter-assistierte ChirurgieDa Vinci OP-System schon mehr als 200 000 mal im Einsatz

Bei minimalinvasiven Eingriffen können Operateur*innen mit weniger Blutverlust und Komplikationen rechnen − was den Klinikaufenthalt verkürzen kann. Das treibt die Verbreitung des Da Vinci-OP-Roboters voran, dessen 200. Gerät vor kurzem in Deutschland installiert wurde.

Da Vinci LS Xi
Intuitive Surgical 2021

Ein Da Vinci-Operationssystem im Einsatz.

Im Jahr 1999 erhielt das Da Vinci-Operationssystem als erstes roboter-assistiertes Chirurgiesystem eine CE-Zulassung und kam bei den ersten Versuchen während kardiologischer Eingriffe zum Einsatz. Kurz darauf wurde jedoch sein Potenzial in der Urologie erkannt. Heute ist es an vielen Kliniken in Deutschland bereits etabliert. Weltweit wird alle 25,4 Sekunden ein Eingriff mit einem Da Vinci-Roboter begonnen – und das in sehr unterschiedlichen Einsatzgebieten. Insgesamt beläuft sich die Eingriffsbilanz in Deutschland auf mittlerweile über 200 000 Eingriffe in der Urologie, aber auch in der Gynäkologie, Allgemeinchirurgie, Thoraxchirurgie sowie der transoralen robotischen Chirurgie.

„Die minimalinvasive roboter-assistierte Chirurgie spielt eine wachsende Rolle. In der Urologie in Deutschland ist sie bei den am häufigsten durchgeführten Eingriffen wie der Prostatektomie bereits die meist verwendete Methode und wird zunehmend auch bei Nieren- und Blasenkrebs eingesetzt“, so Prof. Dr. med. Stefan Siemer, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum des Saarlandes und 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für roboter-assistierte Urologie e.V. (DGRU).

Die Da Vinci-Chirurgiesysteme bieten Operateurinnen und Operateuren je nach Modell ein- oder multiquadrant Eingriffe, inklusive hochauflösende 3D-Ansichten, einer vergrößerten Darstellung und roboter- sowie computergestützte Assistenz – und ist bereits in 4. Produktgeneration verfügbar. Hierzu werden spezielle Instrumente verwendet, darunter eine miniaturisierte Kamera und vollgelenkige Instrumente, z. B. Scheren, Skalpelle und Zangen, die zur präzisen Dissektion und Rekonstruktion tief im Körperinneren entwickelt worden sind.

Kürzere Verweildauer: Vorteil für Kliniken und Patienten gleichermaßen?

Das da Vinci-Operationssystem filtert und übersetzt die Handbewegungen des Operateurs bzw. der Operateurin an der Konsole in hochpräzise Bewegungen der Instrumente. Die EndoWrist-Instrumente können in mehr Freiheitsgraden als die menschliche Hand bewegt werden und bieten damit einen besseren Zugang zur Eingriffsstelle. Dirk Barten, Geschäftsführer des Entwicklers und Vermarkters Intuitive Surgical: „Da Vinci-Operationssysteme können Ärztinnen und Ärzten und auch Patient:innen eine Reihe von Vorteilen bieten, wie z. B. weniger Blutverlust, weniger Komplikationen, kleinere Schnitte und kürzere Krankenhausaufenthalte. So wollen wir zu einer besseren Versorgung der Patient*innen beitragen.“

Frank Dünnwald, Geschäftsführer des St. Elisabeth-Krankenhaus Hohenlind: „Es gibt gute Daten, wonach die Ausgaben für Kostentreiber wie zum Beispiel Komplikationsraten und Blutverbrauch etc. geringer ausfallen. Ob eine kürzere Verweildauer wirklich im Interesse der Patienten ist, ist aus meiner Sicht zumindest fraglich. Für uns ist das entscheidende Argument für den Einsatz eines Da Vinci-Systems, dass es Daten gibt, die deutlich machen, dass das System auch in der Ergebnisqualität überlegen zu sein scheint. Wie ökonomisch herausfordernd die Anschaffung und der Betrieb auch scheint, schlussendlich ist die Frage, zumindest mittelfristig: Können wir es uns als Klinik erlauben, keine robotische Chirurgie anzubieten?“

Ohne Training geht’s nicht

Dennoch ist die robotische Chirurgie nur so gut, wie diejenigen sind, die das OP-System bedienen. Ohne gute Ärzte, versierte Pflegekräfte und perfekt eingespieltes Teamwork kann auch ein roboter-assistiertes OP-System seine Vorteile nicht ausspielen. Deshalb können sich Ärztinnen und Ärzte regelmäßig im Umgang mit dem System schulen lassen – was während der Covid-Pandemie jedoch nicht oder nur eingeschränkt möglich war.

Trotz der geringeren Anzahl an elektiven Eingriffen konnte durch ausgebaute Distanzschulungs- und Prüfungs-Angebote sowie virtuelle Peer-to-Peer Observations und Veranstaltungen der Wissensaustausch untereinander gewährleistet werden. Auch digitale Simulationstrainings fanden während der Corona-Pandemie vermehrt statt. Dirk Barten: „Durch die Reisebeschränkungen konnten wir unsere Technologieschulungen nicht mehr in den großen zentralen Trainingszentren für alle Ärzt*innen durchführen und haben rotierende Trainingscenter ins Leben gerufen, die an verschiedenen Standorten für einige Tage oder Wochen Ärzt*innen mit der Da Vinci-Technologie vertraut gemacht haben. Über Webinare und Online-Schulungen konnten erfahrene Chirurg*innen ihr Wissen mit anderen Ärzt*innen teilen und auch unser Telementoring-Programm wurde verstärkt genutzt.“

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Seit seiner Einführung vor 22 Jahren hat sich beim Da Vinci-Operationssystem einiges getan. Unter anderem wurden sowohl Design als auch Material der Instrumente laut Herstellerangaben optimiert, was zu einer höheren Betriebseffizienz führen soll. Durch den ermöglichten häufigeren Einsatz können laut Intuitive Surgical die Kosten pro Operation um im Schnitt 24 Prozent gesenkt werden.

Mit dem bereits in den USA und in Teilen Asiens zugelassenen Single Port-System (Da Vinci-SP) sind inzwischen Eingriffe mit einem Zugang möglich. Über einen Arm mit drei mehrgelenkigen Instrumenten und einer vollgelenkigen Kamera sind so auch besonders enge Eingriffsbereiche ansteuerbar. Weitere chirurgische Hilfsmittel und Features sind noch in der Entwicklung oder bereits in der Erprobung.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!