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Digitalisierung im OPWirtschaftlichkeit roboter-assistierter Chirurgie-Systeme

Der Krankenhauszukunftsfonds fördert die Investition in OP-Robotik. Unbestritten ist das Ziel der Verbesserung der Patientenversorgung. Lohnt sich die Implementierung für Klinken auch finanziell? Fallstudien zeigen, dass die Technologie wirtschaftlicher arbeitet als vermutet.

Da Vinci Konsole
2021 Intuitive Surgical, Inc.

Der Einsatz von Da Vinci-Roboter-Systemen kann sich wirtschaftlich für Kliniken lohnen

„Die digitale Transformation schreitet voran. Es wird spannend sein, die Integration vieler bestehender Technologien in noch bessere chirurgische Instrumente im robotischen Bereich zu beobachten“, sagt Dirk Barten, Geschäftsführer der Intuitive Surgical Deutschland GmbH. Mit seiner Einschätzung könnte er richtig liegen: Die Bundesregierung will Investitionshürden für Kliniken schmälern und zählt gemäß § 19 Abs. 1 Nr. 9 Krankenhausstrukturfonds-Verordnung robotikbasierte Anlagen zu den förderfähigen Digitalisierungsvorhaben, wozu grundsätzlich auch roboter-assistierte Chirurgie-Systeme zählen können.

Die entscheidende Voraussetzung ist hierbei, dass sie frühestens ab dem 2. September 2020 geplant wurden und integrierter Bestandteil des digitalen klinischen Ökosystems sind. Das hieße zum Beispiel, dass OP-Daten automatisch in die jeweiligen Klinikmanagementsysteme, beispielsweise in die EMR, einfließen könnten. Aber sind roboter-assistierte Chirurgie-Systeme überhaupt rentabel?

Interdisziplinäre Nutzung ermöglicht Auslastung

Fakt ist: Das derzeitige DRG-System bietet keine offensichtlichen Anreize für den Betrieb eines Operationssystems wie dem Da Vinci-Chirurgie-System. Dennoch kann die Integration der Technologie für Kliniken attraktiv sein. „Wir nutzen das Da Vinci-Chirurgie-System von Beginn an interdisziplinär“, sagt Frank Dünnwald, Geschäftsführer vom St. Elisabeth-Krankenhaus in Köln-Hohenlind. „Wir werden auf jeden Fall ein breiteres Leistungsspektrum in der Allgemeinchirurgie und der Gynäkologie, perspektivisch vielleicht auch in der HNO abbilden können.“ Die technische Evolution spielt ihm dabei in die Hände. Beispielsweise können inzwischen viele der gängigsten Da Vinci X/Xi-Instrumente häufiger als zuvor eingesetzt werden, nämlich bei 12 bis 18 statt bis zu zehn chirurgischen Eingriffen.

Mit seiner Strategie ist Frank Dünnwald nicht alleine. Dr. Christian Mönch, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Westpfalz Klinikum in Kaiserslautern, teilt sich das Gerät mit der Urologie. „Das System können wir auslasten“, sagt er. „Wir haben zum Beispiel die Zahl unser Ösophagus-Eingriffe verdoppelt. Für mich ist die nächste logische Frage: Wann brauchen wir ein zweites System?

Die Analyse des Eisbergs

Die wirtschaftliche Beurteilung eines roboter-assistierten Chirurgie-Systems ist weniger komplex, als allgemein angenommen. Die offensichtlichen Mehrkosten durch Investition und laufenden Betrieb eines solchen Operationssystems müssen selbstverständlich den klinischen Mehrwerten bei der Behandlung des Patienten ökonomisch gegenübergestellt werden.

Rafael Wloka, Market Access Director bei Intuitive, spricht hier von der Eisberg-Situation. Die offensichtlichen Kosten, zum Beispiel Anschaffungs- und Betriebskosten, liegen über dem Wasserspiegel, aber darunter befindet sich ein Berg nicht offensichtlicher klinischer und ökonomischer Kosten. „Wir haben deshalb Analyse-Lösungen entwickelt, die nicht nur die Spitze des Eisbergs, sondern das Verhältnis von Aufwendungen, Erträgen und Mehrwerten in einer klinischen, wirtschaftlichen und strategischen Gesamtheit abbilden. Und das basierend auf individuellen Daten der jeweiligen Klinik. Kliniken mit innovativer OP-Technologie können aber auch als strategische Leuchttürme fungieren. All das sollte in eine Bewertung der Wirtschaftlichkeit eingerechnet werden. Mehr als 25 Zentren in Deutschland setzen bereits auf mehr als ein System.“

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