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HandlungsbedarfZulassungshürden in Medizintechnik hemmen Innovationen

Laut dem Industrieverband Spectaris muss die Situation für Innovationen der Medizintechnik in Deutschland verbessert werden. Nötig wäre dafür eine Überprüfung der Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser.

Medizintechnik
Thomas Hecker/stock.adobe.com

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Die deutsche Medizintechnik ist international wettbewerbsfähig: Hiesige Unternehmen haben einen Anteil von zehn Prozent am Medtech-Weltmarkt. Auch bei den europäischen Patenten belegt Deutschland mit mehr als 1200 Anmeldungen im Jahr 2020 einen Spitzenplatz, nur die USA sind noch erfindungsreicher. Im Vergleich zu Europa investieren die USA pro Kopf allerdings auch mehr mehr als das Doppelte in Medizintechnik. Das macht den alleine aufgrund seiner Größe ohnehin spannenden US-Markt noch attraktiver für Kapitalgeber, Start-Ups und hochqualifizierte Erfinder oder andere Fachkräfte und führt zu jährlich mehr als 5500 US-Medizintechnikpatentanmeldungen alleine in Europa.

Nach Einschätzung des Industrieverbandes Spectaris müssen die Rahmenbedingungen für Innovationen der Medizintechnik in Deutschland deutlich verbessert werden.

Eine Innovationsoffensive ist notwendig

Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender Medizintechnik bei Spectaris, sieht Handlungsbedarf sowohl auf europäischer als auch auf Bundesebene: „Die europäisch geregelte Zulassung von Medizinprodukten nach der neuen Medizinprodukteverordnung muss entbürokratisiert werden. Mit Blick auf das Erstattungssystem hierzulande muss der Zugang neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zur Regelversorgung, die wesentlich auf Medizinprodukten basieren, beschleunigt und vereinfacht werden. Dazu gehört ein eigenes Instrumentarium für die MedTech-Methodenbewertung mit schnelleren Zulassungs- und Erstattungsprozessen, das die Besonderheiten von Medizinprodukten mit kurzen Innovationszyklen und auch andere Nutzendimensionen neben dem Patientennutzen berücksichtigt."

Außerdem gehöre die Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser auf den Prüfstand. Der Bund sollte im Rahmen einer Innovationsoffensive - Austausch alter Medizingeräte durch moderne, innovative Medizintechnik - gezielt diejenigen Bundesländer belohnen und unterstützen, die ihrer Investitionszusage gegenüber den Krankenhäusern nachkommen.

Beliebtestes Investitionsfeld ist die Digitalisierung

Dass diese Maßnahmen dringend umgesetzt werden müssen, zeigen auch neue Daten des Themen-Spotlights „Innovation gegen alle Widerstände", die von der Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Whitechart im Auftrag von Spectaris recherchiert wurden. Die Publikation beschreibt das Investitionsverhalten im deutschen, europäischen und US-amerikanischen Gesundheitsmarkt sowie den Einfluss von Start-Ups auf das Innovationsgeschehen.

Innovative Lösungen der Medizintechnik würden vor allem von etablierten Unternehmen oder Start-Ups entwickelt. Alternativ würde Wissen durch strategische Investitionen eingekauft, zum Besipiel in Form von Beteiligungen oder Übernahmen. Das Themenfeld Digitalisierung steche hier besonders hervor, da darin viel geforscht und investiert würde.

Forderung nach nachhaltigeren Investments

Frank Altmeyer, Geschäftsführer von Whitechart, sieht mit Blick auf den heimischen Markt auch Investoren und Kapitalsuchende in der Pflicht: „Deutschland braucht mutige Investoren und Unternehmen, die investieren. Nur so können viele Gründer angezogen und gehalten werden. Investoren müssen noch stärker als bisher über die Chancen des deutschen Gesundheitsmarktes aufgeklärt und zum Dialog eingeladen werden." Vereinfachungen auf der regulativen Seite des Gesundheitssystems hält auch er für dringend erforderlich. Altmeyer weiter: „Bis es soweit ist, sollten Geldnehmer aber ehrlich sein und keine überzogenen Businesspläne erstellen, nur um den Investor zu begeistern. Nachhaltig, stabil aber mit einer längeren Laufzeit: So lassen sich Investments im Medizintechnikmarkt treffend beschreiben."

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