Das Thema Pflegekammer ist in der Politik so präsent wie nie zuvor: Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) plant, im nächsten Jahr eine Landeskammer für Pflege- und Therapeutenberufe ins Heilberufsgesetz zu integrieren; in Schleswig-Holstein haben die Regierungsfraktionen SPD, Grüne und SSW sich in ihrem Koalitionsvertrag zur Pflegekammer bekannt und auch in Bayern zeigt sich der neue Staatsminister für Gesundheit Marcel Huber — trotz Protesten von der FDP — offen gegenüber einer selbstverwalteten Pflege. Doch gerade jetzt, da Pflegekammern parteiübergreifend auch in der Politik auf Zustimmung stoßen, teilt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) in Bremen mit, er halte Pflegekammern für überflüssig. Er kritisiert konkret den Antrag der Bremer CDU-Bürgerschaftsfraktion, die Einrichtung einer Pflegekammer zu prüfen.
Beim größten Dachverband der Pflege, dem Deutschen Pflegerat (DPR), stößt die Position des bpa auf heftige Kritik. "Der bpa müsste eigentlich großes Interesse an motivierten Pflegenden haben. Es ist deshalb nicht zu verstehen, dass er sich gegen eine Einrichtung wendet, die das Ansehen der Pflege, die Qualität und Mitspracherecht bei politischen Prozessen verbessern würde", sagt Andreas Westerfellhaus. Der DPR-Präsident fordert den bpa auf, seine Position sofort zu verlassen und mit den Pflegeverbänden in einen Dialog zu treten.
"bpa fürchtet möglicherweise um Einfluss"
Westerfellhaus kritisiert besonders, dass der bpa den Eindruck vermittle, für die Pflegekräfte zu reden. "Es ist nicht in Ordnung, dass ein Arbeitgeberverband für seine angestellten Pflegekräfte spricht", sagt der Pflegepräsident. Möglicherweise habe der bpa Angst, Einfluss zu verlieren. Doch dazu gebe es keinen Anlass, meint auch Peter Bechtel, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Pflegemanagement. "Eine Kammer würde die Qualität in der Pflege sichern und für einheitliche Standards sorgen. Es geht darum berufsständische Aufgaben zu übernehmen. Wir können und wollen als Pflegekammer nicht Tarifpartner sein." Es herrsche beim bpa offenbar große Verwirrung über die Aufgaben einer Pflegekammer. Das zeige sich auch an seinem Argument, dass die Interessen der Pflegekräfte bereits durch die Pflegeverbände vertreten seien, sagt Bechtel. "Eine Pflegekammer würde als Teil der Selbstverwaltung hoheitliche Aufgaben übertragen bekommen. Das könnte ein Verband gar nicht, denn er ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Menschen mit gleichen Interessen."
Braucht Deutschland Pflegekammern? Sagen Sie uns Ihre Meinung und kommentieren Sie diesen Artikel am Ende dieser Seite!


Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.
Jetzt einloggen