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kma August-AusgabeDie Folgen eines Komafalls

Vor 27 Jahren starb Karen Ann Quinlan. Ihr Schicksal begründete die klinische Ethikberatung in den USA. Nun setzt sich diese auch in Deutschland durch und gilt gar als Qualitätskriterium für Kliniken.

Als er vor dem Isolierzelt auf der Intensivstation stand und dort einen Brief fand, den die achtjährige Tochter für die seit Wochen bewusstlose Mutter an die Wand gepinnt hatte, wusste er, dass er nicht darüber entscheiden konnte, ob die lebenserhaltenden Maschinen angelassen oder ausgeschaltet werden sollten. "Liebe Mama", stand da, "heute haben wir Matte geschrieben." "Matte mit Doppel-t", erinnert sich Norbert W. Paul, Lehrstuhlinhaber und Leiter der Klinischen Ethik an der Universitätsmedizin Mainz, "das hätte meine Tochter auch an mich schreiben können. Das hat mir völlig den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich habe den Fall abgegeben."

Ethik-Komitees: In den USA Voraussetzung für eine Akkreditierung
Ethikberater am Krankenhaus brauchen Einfühlungsvermögen. Mitleid jedoch behindert sie in ihrer Arbeit. "Es führt dazu, dass man nicht mehr strukturiert und klar über eine Sache nachdenkt", erklärt Paul. Er muss sich mit Fragen auseinandersetzen, für die sein Urteilsvermögen ungetrübt sein muss. Wie lange soll ein Patient zwischen Leben und Tod ausharren? Dürfen Ärzte sein Sterben zulassen? Oder müssen sie so lange dagegen kämpfen, bis gar nichts mehr geht? Auf solche und ähnliche Fragen versuchen klinische Ethik-Komitees wie das in Mainz Antworten zu finden. Sie werden in der Regel auf Anfrage tätig, wenn behandelnde Ärzte und Pflegekräfte in moralischen Konflikten gefangen sind und nicht mehr entscheiden können oder wollen, was für das Wohl des Patienten das Beste ist. "Ein klinisches Ethik-Komitee ist mittlerweile ein Qualitätskriterium", sagt Arnd May, Geschäftsführer des Klinischen Ethik-Komitees am Universitätsklinikum Halle. Etwa ein Drittel bis die Hälfte der deutschen Krankenhäuser hat ein solches Gremium, schätzt er. Damit hinken die Deutschen den USA ziemlich hinterher, wo die ersten Ethikgremien in den 70er Jahren gegründet wurden. Seit 1991 ist das Vorhandensein einer solchen Einrichtung in den USA sogar Voraussetzung dafür, dass ein Krankenhaus seine Akkreditierung erhält. In Deutschland haben die beiden christlichen Krankenhausverbände ihren Krankenhäusern im Jahr 1997 empfohlen, klinische Ethik-Komitees nach amerikanischem Vorbild einzurichten. 2006 zog die Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer nach: "Die Zentrale Ethikkommission begrüßt die Entwicklung der Ethikberatung in der klinischen Medizin und ermuntert zur Einrichtung eines solchen Angebotes, wo es noch nicht besteht", heißt es in einer Stellungnahme. Den vollständigen Artikel über klinische Ethik-Komitees lesen Sie in der kma August-Ausgabe.

Druckfrisch: Die neue kma
Außerdem thematisieren wir den Streit um das in die Jahre gekommenen gesetzliche Qualitätssicherungsverfahren: Die Qualität deutscher Krankenhäuser wird ständig besser. Ein Erfolg der gesetzlichen Qualitätssicherung, meinen die einen. Stimmt nicht, sagen die anderen, es wird nur clever dokumentiert. Im Standpunkt rechnet Josef Düllings, Präsident des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), vor, wieso die derzeitige DRG-Kalkulation kleinere Häuser benachteiligt. Wie ist Ihre Meinung dazu? Kommentieren Sie diesen oder andere Artikel! Es geht ganz leicht. Einfach am Ende des Artikels ins Kommentarfeld schreiben, die Rechenaufgabe lösen und abschicken.

Außerdem berichten wir über Neues aus dem Krankenhaus-IT-Netzwerk Entscheiderfabrik: Am UK Aachen und an der Kaiserswerther Diakonie soll im Zuge der "IT-Schlüssel-Themen" der Entscheiderfabrik eine Fallakten-App entwickelt werden, die behandlungsbeteiligten Medizinern und Pflegern Kommunizieren auf mobilen Endgeräten erlaubt. Im Porträt erklärt Ulrike Elsner, neue Chefin des Ersatzkassenverbands vdek, wie sie Lobbyarbeit auffasst und was sie von der Frauenquote hält. All diese und viele weitere Themen finden Sie in der kma August-Ausgabe. Viel Spaß beim Lesen!

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