Noch zögern viele Kliniken, Systempartnerschaften einzugehen. Doch die enge Bindung an den Lieferanten kann viele Vorteile haben. Welche genau, wird Michael Kirchner, Geschäftsführer von Sodexo/Zehnacker - neben anderen Referenten - auf dem Hauptstadtkongress erklären. kma hat vorab mit dem Dienstleistungsexperten gesprochen.
Interview mit Michael Kirchner
Worin besteht die neue Qualität der Geschäftsbeziehungen?
Eine klassische Beziehung zwischen Auftraggeber und Lieferanten heißt nichts anderes als Ware gegen Geld. Ein Systempartner dagegen, speziell im medizinischen Bereich, ist in der Lage, Prozesse zu verstehen und somit ungleich differenziertere und qualifiziertere Leistungsangebote zu gestalten.
Vielen ist gar nicht so klar, was Systempartnerschaften eigentlich ausmacht. Eine Definition in Stichworten?
Partnerschaft auf Augenhöhe, Prozessdenken, weniger Schnittstellen, ganzheitliche Dienstleistung.
Können Sie an einem Beispiel schildern, wie sich das operative Geschäft im Krankenhaus durch Systempartnerschaften verändern kann?
Früher war es ganz einfach: ein Vertrag. Sie haben als Dienstleister ein Produkt geliefert oder ein Leistungsverzeichnis erfüllt. Dann kam das Geld. Ob das gebraucht wurde oder nicht, war erstmal völlig wurscht. Beispiel: Essen. Ein Systempartner kann viel mehr anbieten als einzelne Produkte oder Services. Es fängt an bei einer vernünftigen Beratungsleistung, die die Frage klärt: neue Küche - ja oder nein? Und wenn ja: Wie groß muss und darf sie sein? Früher haben Schwestern sich ans Telefon gehängt, um Bestellungen auszulösen oder zu stornieren wie ein Kellner. Heute gibt es intelligentere Methoden, IT-gestützte Menüaufnahmesysteme, mit denen nichtmedizinisches Personal Essen bestellt - oder abbestellt. Ein Systempartner im Catering liefert Komplettlösungen: vom Konzept über hohe Flexibilität bis hin zur täglichen Logistik.
Was hat ein Krankenhaus davon, dass es eine Systempartnerschaft eingeht?
Es hat einen Spezialisten an der Hand und kann flexibler und schneller auf die rasanten Veränderungen in Medizin und Technik reagieren.
Was hat der externe Partner davon?
Zunächst einmal spart das Krankenhaus Geld. Die Optimierung der Prozesse führt aber dazu, dass auch der Systempartner das Geld für Entwicklungs- und Betriebskosten generieren plus einen Gewinn erwirtschaften kann.
Stimmt es, dass Krankenhäuser auf Systempartner im Extremfall auch einzelne finanzielle und damit unternehmerische Risiken übertragen können?
Ja, zunehmend ist das so.
Auf was sollten Krankenhäuser bei der Auswahl von Partnern achten?
Auf eine gewisse Größe, auf gute Referenzen und unbedingtes Vertrauen, das der externe Systempartner durch nachweisbare Qualitätssicherungsmaßnahmen untermauern muss.Detail
Diesen und weitere interessante Beiträge lesen Sie in der aktuellen kma-Ausgabe Februar 2011.


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