Rumort hat es am Klinikum Darmstadt seit langem. Ihren vorläufigen Höhepunkt haben die Streitereien zwischen Klinikgeschäftsführung und dem alleinigen Gesellschafter, der Stadt Darmstadt, am Montag mit dem Rauswurf von Klinikgeschäftsführer Gerhard Becker gefunden. Stadtkämmerer und Klinikdezernent André Schellenberg will die Führungsstrukturen des Klinikums Darmstadt neu ordnen. "Zusätzlich zur bisherigen kaufmännischen Geschäftsführung soll ein Mediziner als ärztlicher Geschäftsführer an der Spitze des Hauses installiert werden", begründet der Dezernent die Entscheidung.
Erst im August vergangenen Jahres wurde Becker ein zweiter kaufmännischer Geschäftsführer zur Seite gestellt. Ein Co-Geschäftsführer wurde notwendig, weil in den städtischen Beteiligungsgesellschaften das Vier-Augen-Prinzip eingeführt wurde. Interimsmäßig holte man den Heag-Vorstand Klaus-Michael Ahrend. Die Heag ist eine Beteiligungsgesellschaft der Stadt, die den Wissenschaftsstandort Darmstadt managen und als "maßgeblicher Berater der Stadt in allen wirtschaftlichen Angelegenheiten" agieren soll. Auf Ahrend folgte dann Clemens Maurer im März dieses Jahres als zweiter regulärer Geschäftsführer des Klinikums. Maurer war zuvor stellvertretender Kaufmännischer Vorstand der Uniklinik der Ruhr-Universität Bochum und Geschäftsführer der berufsgenossenschaftlichen Uniklinik Bergmannsheil GmbH.
Unappetitliche Schlammschlacht
Die tiefen Risse zwischen Becker und den Stadtoberen konnte auch nicht eine Co-Geschäftsführung kitten. Becker wurde unter anderem sein Kommunikationsstil vorgeworfen. Krach gab es auch um den Verkauf eines zur Klinik gehörenden Altenheims. Becker wollte die Einrichtung verkaufen, die Stadt sie im Bestand lassen. All das könnte man noch unter berufsbedingte alltägliche Spannungen verbuchen. Im Juli letzten Jahres jedoch erstattete Ex-Oberbürgermeister Günther Metzger gegen Gerhard Becker Strafanzeige. Die Vorwürfe: angebliche Veruntreuung in Millionenhöhe und Mobbing von Mitarbeitern. Anfang 2013 stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein, weil die Vorwürfe sich als unhaltbar erwiesen.
Für die meisten Manager wäre das Grund gewesen zu gehen, Becker blieb – bis zu seinem Rausschmiss. Seinen Weggang begründet der Klinikmanager mit den üblichen Differenzen zwischen Management und Kommunalpolitik. Er habe in den dreieinhalb Jahren einiges erreicht, so Becker. Beispielsweise habe der Landesrechnungshof Hessen dem Klinikum Darmstadt ein Lob für seinen wirtschaftlichen Konsolidierungskurs ausgesprochen. Auch die geplanten Bauvorhaben in Höhe von 130 Millionen Euro und den Unternehmensaufbau habe er finanziell auf den Weg gebracht. "65 Millionen Euro Fördermittel, 77 Millionen Euro durch Bürgschaften und 15 Millionen hat die Stadt finanziert um sogenannte Altlasten zu begleichen." Das Richtfest wird ohne den Manager Gerhard Becker gefeiert. Jetzt begibt sich die Stadt Darmstadt wieder auf Personalsuche, diesmal muss sie einen Ärztlichen Geschäftsführer finden, der soll in Zukunft das Unternehmen gemeinsam mit Maurer führen. Interimsmäßig übernimmt diese Aufgabe Martin Welte, Chef der Anästhesie am Klinikum Darmstadt.
Die Umbauarbeiten in der Führung betreffen auch den Aufsichtsrat. Einen vakanten Aufsichtsratsposten hat das Klinikum Darmstadt vergeben: Morgen werde ein "deutschlandweit renommierter Experte für das Gesundheits- und Krankenhauswesen" vorgestellt, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Darmstadt.


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