Altenheime und Krankenhäuser setzen immer mehr Leiharbeiter ein. Das zeigen neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegen. Demnach hat sich die Anzahl der verliehenen Pflegekräfte von 2005 bis 2011 um mehr als 400 Prozent auf etwa 16.350 erhöht. "Man muss sehen, dass der Anteil sehr gering ist", sagte eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums. Die Leih- und Zeitarbeiter machten etwa 0,57 Prozent von den insgesamt 2,8 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Branche aus.
DKG: "Keine andere Möglichkeit"
Der Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Bernd Metzinger, ist zwar nicht erfreut über die Entwicklung, sieht aber derzeit keine andere Möglichkeit, als verstärkt Leiharbeiter einzusetzen. "Die Krankenhäuser sehen sich dazu gezwungen, da sie anders dem Zangengriff aus Kostendruck und Fachkräftemangel kaum etwas entgegenzusetzen haben", sagte Metzinger. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums verwies auf eine Studie der Arbeitnehmerkammer Bremen, die auch von der "Süddeutsche Zeitung" zitiert wird. Demnach gebe es gut ausgebildete Pflegekräfte, die sich bewusst für die Leiharbeit entschieden hätten. Sie nannten als einen Vorteil, dass sie ihre Arbeitszeiten beeinflussen könnten. Die Forscher kamen demnach zu dem Fazit, dass die freiwilligen Leiharbeiter sogar unter besseren Bedingungen als das fest angestellte Personal arbeiteten.
Durchschnittsgehalt liegt bei 2.456 Euro
Der Unterschied beim Gehalt ist aber durchaus groß. Der Durchschnittslohn der Leiharbeiter im Gesundheits- und Sozialwesen lag bei etwa 1.600 Euro brutto im Monat. Das geht aus der Antwort der Nürnberger Bundesbehörde auf eine Anfrage der linken Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Der Durchschnittsverdienst für reguläre Mitarbeiter in der Branche habe Ende 2010 dagegen 2.456 Euro brutto betragen. Zimmermann kritisierte, Teile der Gesundheits- und Pflegebranche sähen das Personal "ausschließlich als belastenden Kostenfaktor, den es möglichst klein zu halten gilt". Die eigentlichen Verlierer seien dabei Patienten und betreute Menschen.




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