Die wichtigsten Qualitätsdefizite macht die Studie in der Patientensicherheit aus. Demnach kommt auf 2 bis 4 Prozent der Krankenhauspatienten ein auf Fehler zurückzuführendes unerwünschtes Ereignis zu, das durch die Behandlung bedingt ist. Für Deutschland bedeutet das: jedes Jahr sind zwischen 380.000 und 760.000 Krankenhauspatienten von Schäden betroffen, die auf solche Fehler zurückgehen. Die Studie rechnet mit rund 19.000 vermeidbaren Todesfällen pro Jahr.
Ein Drittel der Krankenhausinfektionen sind vermeidbar
Die beiden Hauptursachen sind laut Studie nosokomiale (im Krankenhaus erworbenen) Infektionen und arzneimittelbedingten Ereignisse. Nach den Daten des Robert-Koch-Institutes treten jährlich in Deutschland zwischen 400.000 und 600.000 nosokomiale Infektionen auf, ein Drittel davon ist als vermeidbar einzustufen: folglich erleiden etwa 1 Prozent aller Krankenhauspatienten (zwischen 100.000 und 200.000 pro Jahr) in Deutschland eine vermeidbare nosokomiale Infektion. Hauptgrund dafür ist laut Studie die mangelnde Händedesinfektion. Das Problem sei dadurch verschärft, dass ein Teil dieser Infektionen durch Bakterien verursacht werde, die gegen einen Großteil oder aller in Frage kommende Antibiotika resistent sind. Diese Erreger finden sich demnach nicht nur im Krankenhaus, sondern auch in der ambulanten und pflegerischen Versorgung und in der Lebensmittelindustrie.
Jährlich zwischen 380.000 und 950.000 Krankenhaus-Aufnahmen wegen Arzneimittel-Nebenwirkungen
Die Probleme, die durch unerwünschte Nebenwirkungen von Arzneimitteln verursacht werden, liegen laut Studie in der gleichen Größenordnung. So weisen internationale Untersuchungen darauf hin, dass in Deutschland jährlich zwischen 380.000 und 950.000 Krankenhaus-Aufnahmen wegen Arzneimittel-"Nebenwirkungen" notwendig werden. Besonders ältere Patienten, die mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen, sind demnach einem hohen Risiko ausgesetzt. So erhalten rund 20 Prozent der älteren Patienten in Deutschland mindestens ein Medikament, das nach dieser Liste nicht empfohlen wird. Das Gutachten fordert den Gesetzgeber auf, ein Rahmenkonzept "Qualität 2030" vorzulegen, welches umfassend die bis 2030 umzusetzenden Qualitätsinstrumente beschreibt – unter Berücksichtigung des demografischen Wandels, der Notwendigkeit der Stärkung der Prävention, des Aufbaus regionaler, qualitätsgesicherter Versorgungskonzepte sowie der Zentrenbildung und Durchsetzung von Mindestmengen. Die Studie ist vom Gesundheitsnetzwerk Gesundheitsstadt Berlin in Auftrag gegeben worden und wurde von Matthias Schrappe, Facharzt für Innere Medizin, Vorstandsmitglied des Aktionsbündnisses Patientensicherheit und Leiter des Instituts für Patientensicherheit in Bonn, erstellt. Ulf Fink ist seit Dezember 2003 Vorstandsvorsitzender des Gesundheitsnetzwerks.




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