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ÄrztestatistikSoviel Ärzte wie nie zuvor

Nach einer neuen Statistik der Bundesärztekammer arbeiten derzeit exakt 365.247 Mediziner in der Bundesrepublik. Das ist neuer Rekord. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery warnt dennoch vor einem Ärztemangel.

Die Zahl der bei den Landesärztekammern gemeldeten ärztlich tätigen Mediziner sei im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent gestiegen, teilte die Kammer mit. Für Montgomery reicht jedoch "dieses leichte Plus bei Weitem nicht aus, um die Lücken in der medizinischen Versorgung zu schließen".

Junge Ärzte wollen mehr Freizeit
So wollten junge Ärzte neben dem Beruf auch Freizeit und Zeit für die Familie. Das Bedürfnis nach festen Arbeitszeiten und flexiblen Arbeitszeitmodellen sei bei jungen Medizinern gewachsen. "Immer mehr von ihnen entscheiden sich für eine Anstellung und gegen die Niederlassung." Die Zahl der angestellten Ärzte im ambulanten Bereich sei binnen rund 20 Jahren von etwa 5400 auf gut 26.300 gestiegen. Der Frauenanteil habe sich um mehr als 35 Prozent auf über 45 Prozent erhöht. Mehr Ärzte als früher arbeiteten auch in Teilzeit - oder gar nicht in ihrem Beruf. 23 Prozent der niedergelassenen Ärzte planten bis zum Jahr 2020 ihre Praxis aufzugeben.

Bedarf an Medizinern wächst
Gleichzeitig steige wegen der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung der Bedarf, heißt es bei der Kammer. Die Ärztekammer befürchtet deshalb in absehbarer Zeit einen Ärztemangel und beruft sich dabei auch auf Prognosen der Unternehmensberatung Roland Berger, wonach in den deutschen Krankenhäusern bis 2030 etwa 111.000 Ärzte fehlen werden. Derzeit arbeiten dort laut Krankenhaus-Statistik rund 143.000 Mediziner.

Laut Montgomery wäre der Mangel ohne Ärzte aus dem Ausland noch größer. So sei die Zahl der in Deutschland gemeldeten ausländischen Ärzte 2014 um 3768 auf 39.661 gestiegen. 2364 Ärzte kehrten Deutschland dagegen den Rücken. Abwehren lasse sich der Ärztemangel aber nur, "wenn es gelingt, mehr Ärztinnen und Ärzte auszubilden". Derzeit gebe es an den Universitäten knapp 10.000 Medizinstudienplätze. Nötig wären mindestens zehn Prozent mehr. "Leider scheinen aber weder Bund noch Länder bereit zu sein, sich hier finanziell zu engagieren", kritisierte Montgomery.

Kassen sehen keinen Ärztemangel
Der Spitzenverband der Krankenkassen sieht Deutschland von einem allgemeinen Ärztemangel "weit entfernt". Es sei jedoch eine Gemeinschaftsaufgabe, dafür zu sorgen, dass die Ärzte auch dort zu finden seien, wo sie gebraucht würden, sagte ihr Sprecher Florian Lanz. "Gemeinsam müssen wir die Versorgung auf dem Land stärken und dafür den Mut haben, die Überversorgung in den Ballungsgebieten auch gegen den Widerstand der Ärzteverbände abzubauen."

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