Der Präsident der Universität Bayreuth, Stefan Leible, der selbst bei Oberender studierte, würdigte den Verstorbenen als "väterlichen Freund", der ihn bei wichtigen Karriereschritten beraten und unterstützt habe. "Für die Universität Bayreuth hat er sich stets vehement und auf seine gewohnt streitbare Art engagiert", sagte Leible weiter. "Ihm haben wir unter anderem unseren weltweit beachteten Studiengang Gesundheitsökonomie zu verdanken."
„Peter Oberender war für mich väterlicher Freund und geschätzter Kollege zugleich”, schrieb auch der Bayreuther Professorenkollege Volker Ulrich in einem persönlichen Statement zum Tod des Wissenschaftlers. „Er konnte unbequem sein, stets kritisch und er vertrat einen klaren ordnungsökonomischen Standpunkt. Dabei war er immer hilfsbereit, offen für Ideen und ein Freund der Menschen und insbesondere der Studierenden. Ein weiterer enger Wegbegleiter Oberenders in Bayreuth, Professor Jörg Schlüchtermann, schrieb: Wie kaum ein anderer habe Oberender den Kompromiss zwischen ökonomischem Denken und Menschlichkeit geschafft. „Nicht nur Ökonomen, sondern auch zahlreiche Mediziner sind fasziniert von seinen Ideen und Konzepten, die stets eine klare ordnungspolitische Orientierung hatten. Mit seiner klar auf marktwirtschaftlichen Wettbewerb ausgerichteten Haltung habe der Verstorbene „über Jahrzehnte hinweg das Denken in der deutschen Gesundheitswirtschaft beeinflusst”.
"Sympathisch konfrontativ"
Eckhard Nagel, Mitbegründer des Studiengangs Gesundheitsökonomie in Bayreuth, bezeichnete den Verstorbenen als "wachen, den Patienten zugewandten, an den medizinischen Grundlagen interessierten Wissenschaftler", der gleichzeitig ein kluger Sachwalter seiner ordnungspolitischen Grundsätze gewesen sei. „Gerade diese Klarheit und Gradlinigkeit sowie sein Erkenntnisinteresse und seine Begeisterung für interdisziplinäre Arbeit waren ansteckend und überwanden althergebrachte Ressentiments.” Oberender sei für viele Ärzte ein wichtiger Gesprächspartner gewesen – und seine Ideen nicht selten der Beginn von konkretem Strukturwandel in der Praxis. „Dabei war er sympathisch konfrontativ, wenn er in gewissen Vorstellungen zum ärztlichen Behandlungsauftrag den Sozialromantiker zu identifizieren glaubte.”
Nürnberg-Marburg-Bayreuth
Oberender wurde 1941 in Nürnberg geboren. Nach dem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und München promovierte er und habilitierte sich an der Universität Marburg. Nach seinem Ruf auf einen Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth initiierte er in der oberfränkischen Universitätsstadt den bundesweit ersten Studiengang "Diplom-Gesundheitsökonomie", in dem erstmals in Deutschland Volks-, Betriebswirtschaft und Medizin in einem Studiengang konzeptionell zusammengefasst wurden. Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2007 blieb er als Direktor der Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie der Uni Bayreuth verbunden. Zugleich war er Inhaber und Seniorpartner der Unternehmensberatung Oberender & Partner in Bayreuth, einem auf Gesundheitsökonomie und Krankenhausmanagement spezialisierten Beratungsunternehmen.
Ratgeber der Politik
Immer wieder wurde Oberender auch von der Bundes- und Landespolitik zu Rate gezogen. 2012 ernannte ihn der damalige bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil zum Beauftragten für die bayerische Gesundheitswirtschaft. Von 1987 bis 1990 gehörte er der Enquete-Kommission "Strukturreform der Gesetzlichen Krankenversicherung des Deutschen Bundestages" an. Von 1999 bis 2005 war Oberender auch Mitglied im Wissenschaftsrat, der Bund und Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Weiterentwicklung des Hochschulsystems berät. In dessen Arbeitsgruppe "Public Private Partnership in der Hochschulmedizin" war er bis zuletzt Vorsitzender. Seit 2001 war Oberender außerdem Mitglied der Bayerischen Bioethik-Kommission.
Inhaltlich verrat Oberender streng marktwirtschaftliche Positionen in der Gesundheitspolitik. So stellte er die je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragene Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung infrage – unter Verweis darauf, dass der "sogenannte Arbeitgeberanteil Lohnbestandteil ist". Weiter kritisierte er die Budgetierungen im Gesundheitswesen als "künstliche Eindämmung eines möglichen Marktwachstums im Gesundheitswesens" und forderte die "Umorientierung von einer Politik der Planwirtschaft hin zu einer marktwirtschaftlichen Gesundheitspolitik bei einem ausreichenden Schutz ökonomisch Schwacher und chronisch Kranker". Mit seinen Positionen erntete Oberender immer wieder Kritik unter Gewerkschaften und Sozialverbänden.
Tarifschlichter und Euro-Skeptiker
Auch jenseits seiner Beratungstätigkeit für die Politik trat Oberender in der Öffentlichkeit in Erscheinung. Nach der Wiedervereinigung, von 1990 bis 1994, engagierte er sich in Ostdeutschland als Gründungsdekan und Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 1994 fungierte er als Schlichter im Tarifstreit der Hessisch-thüringischen Metall- und Elektroindustrie. Nach dem Abschluss der Verträge von Maastricht unterzeichnete 1992 er gemeinsam mit über 60 deutschen Wirtschaftsprofessoren ein eurokritisches Manifest mit dem Titel „Die EG-Währungsunion führt zur Zerreißprobe. Oberender zählte auch zu den Mitbegründern der „Wahlalternative 2013”, der Ursprungsorganisation der heutigen Partei „Alternative für Deutschland” (AfD).


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