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Überraschende KündigungVivantes-Chef Bovelet tritt zurück

Vivantes-Chef Bovelet hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Sein Verhältnis zu Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum soll zerrüttet sein.

Als Ursache nannte die Pressestelle des Klinikkonzerns "persönliche Gründe". Die Stimmung zwischen Joachim Bovelet und dem Berliner Senat hatte sich zuletzt verschlechtert. Klinikintern war Bovelet zwar umstritten, wegen des Spardrucks mussten Mitarbeiter etwa auf Weihnachtsgeld verzichten. Doch trotz langjährigen Streits äußern sich Arbeitnehmervertreter anerkennend. "Sein Weggang ist ein Verlust, es war für die Beschäftigten nicht immer einfach, aber mit Bovelet konnte man reden", sagte Vivantes-Betriebsratschef Giovanni Ammirabile dem "Tagesspiegel". Auch Karl Max Einhäupl, Chef der Berliner Charité, bedauerte Bovelets Rückzug. Ohne ihn, so Einhäupl, wäre die Zusammenarbeit der beiden Klinikbetriebe so nicht möglich gewesen.

Betriebsrat beklagt den Verlust Bovelets
Bovelet wurde unter anderem eine schlechte Personalpolitik vorgeworfen, weil er mehrere Vorstandsmitglieder erst einstellte und dann vorzeitig mit hohen Abfindungen entließ. Auch Kostenrisiken wegen der Kündigung eines Sterilisationsdienstleisters und hohe Baukosten etwa für eine Hospizeinrichtung standen in der Kritik, ebenso wie Aufträge an eine Sicherheitsfirma, an der das Aufsichtsratsmitglied Karl Kauermann beteiligt ist. Mit 14.000 Beschäftigten ist Vivantes nach der Bahn der größte Arbeitgeber der Hauptstadt. Im Dezember musste Bovelet auf einen Missbrauchsvorwurf gegen einen Mitarbeiter reagieren – er ließ den Verdächtigen anzeigen und den Senat informieren. Auf einer Aufsichtsratssitzung am 18. Februar sollen neben Bovelets Rücktritt auch Präventionsmaßnahmen gegen Missbrauch besprochen werden.

Einige fürchten neue Debatte um Privatisierung
Bovelets Vertrag, bereits einmal verlängert, läuft regulär erst 2017 aus. Wann genau er geht, steht noch nicht fest. Der Senat könnte nun mit dem Einsetzen eines neuen Chefs schnell die Ausrichtung des Konzerns ändern – einige fürchten gar eine neue Debatte um die Privatisierung der städtischen Kliniken, schreibt der "Tagesspiegel".

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