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Ausbildung IntensivpflegePflegeprofis lassen „3+1-Modell“ durchfallen

Das an fünf Universitätskliniken in Baden-Württemberg startende „3+1-Modell“ für die Ausbildung in der Intensivpflege ruft Pflegeprofis auf den Plan. Die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste sieht vor allem ein Problem.

Intensivstation
Saengsuriya13/stock.adobe.com

Symbolfoto

Um schnelleren Personaleinsatz in der Intensivpflege zu ermöglichen, starten fünf Universitätskliniken in Baden-Württemberg mit dem sogenannten „3+1-Modell“. Das vom zuständigen Landesministerium bewilligte Pilotprojekt sehe vor, Pflegefachpersonen in einer vierjährigen Kombination aus generalistischer Pflegeausbildung und Weiterbildung für die Tätigkeit auf Intensivstationen zu qualifizieren, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) und übt deutliche Kritik: Durch diesen Vorstoß eines einzelnen Bundeslandes werde die viel beklagte Heterogenität der Weiterbildungslandschaft für die Pflegeberufe weiter verstärkt.

Die DGF setze sich für eine bundesweite Vergleichbarkeit von Fachweiterbildungen ein und plädiere dabei vehement für die Beibehaltung einer Weiterbildungsdauer von in der Regel zwei Jahren für die Qualifikation hochspezialisierten Fachpersonals für die Intensivpflege. So empfindet die DGF bereits die curriculare Gestaltung des Modellprojektes hinsichtlich der theoretischen Lerninhalte als problematisch. Die geplante Anrechnung von Inhalten aus der „Generalistik“ auf die Weiterbildung in einem hochspezialisierten Bereich wie der Intensivpflege sei – vor allem ohne Einblick in das angedachte Curriculum – nicht nachvollziehbar.

Unverzichtbares Qualitätsmerkmal würde aufgegeben

Die generalistische Pflegeausbildung, in der die grundlegenden Kompetenzen für die Pflege von Menschen aller Altersstufen erworben werden, sei qualitativ anspruchsvoll und breit angelegt, aber gerade nicht auf eine Spezialisierung ausgerichtet, betont die DGF. Ein hoher Anteil theoretischen Unterrichts zu dem speziellen Wissens- und Kompetenzerwerb im vierten Jahr der Qualifizierung würde zu Lasten der ohnehin verkürzten praktischen Einsatzzeit führen. Da sich Handlungskompetenz aber nur in der Verzahnung von Theorie und Praxis entwickeln könne, stelle insbesondere die zweijährige Dauer der Fachweiterbildung mit rotierenden Praxiseinsätzen, theoretischen Modulen und gezielten praktischen Anleitungen ein unverzichtbares Qualitätsmerkmal dar, das durch eine Verkürzung der Bildungsmaßnahme aufgegeben würde.

„Schmalspurangebote“ auf Kosten der Versorgungsqualität

„Das ‚3+1-Modell‘ kann in der Umsetzung nie an das heranreichen, was in drei Jahren Pflegeausbildung und zwei Jahren Weiterbildung möglich ist“, kritisiert der DGF-Vorsitzende Lothar Ullrich. Die verständliche Sorge um den Personalmangel dürfe nicht zu „Schmalspurangeboten“ auf Kosten der Versorgungsqualität und der Sicherheit von Patienten und Mitarbeitenden führen. Für Ullrich wäre das Modellprojekt als Trainee-Programm denkbar, welches nach der generalistischen Ausbildung eine gute Einarbeitung in den Fachbereichen ermögliche, auf welcher dann eine Fachweiterbildung aufbaue. Eine Fachweiterbildung könne das Projekt allerdings in keiner Weise ersetzen.

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