Jeder zähle die Behandlungsfehler einzeln, niemand habe den gesamten Überblick, sagte Vorstand Eugen Brysch der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Daher müssten die Zahlen der Ärztekammern, des Medizinischen Dienstes der Kassen und der Zivil- und Sozialgerichte in einem nationalen Register zusammenlaufen. "Ebenso macht es Sinn, die Behandlungsfehler je nach Einrichtungen einzeln zu veröffentlichen", fordert Brysch.
Behandlungsfehler in 2.243 Fällen
Die Bundesärztekammer (BÄK) hat heute in Berlin neue Zahlen zu Behandlungsfehlern vorgelegt. Die Statistik zeigt, wie viele Patienten sich mit einem Verdacht auf Fehler im vergangenen Jahr an die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft gewandt haben - und in wie vielen Fällen diese einen Fehler bestätigten. Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der BÄK haben im Jahr 2013 insgesamt 7.922 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen. Damit ist die Zahl der Sachentscheidungen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die Zahl der festgestellten Fehler ist jedoch rückläufig. So lag in 2.243 Fällen ein Behandlungsfehler vor (Vorjahr: 2.280). In 1.864 Fällen wurde ein Behandlungsfehler als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete. Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen führten, waren wie in den Vorjahren Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen. Auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen hat seine Statistik vorgelegt: Er erstellte im Vorjahr rund 14 600 Gutachten wegen Verdachts auf Fehler - gut 2000 mehr als 2012.
Wachsender Stress der Mediziner
Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, führte die Fehlerquote auf wachsenden Stress der Mediziner zurück: "Seit Jahren steigt die Arbeitsintensität in deutschen Kliniken und Praxen", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Lange Arbeitszeiten und ständiger Leistungsdruck erhöhten die Fehlerwahrscheinlichkeit. Daher sei es "bemerkenswert", dass die Zahl der registrierten Behandlungsfehler in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben sei. In rund jedem vierten beanstandeten Fall wurde in der Vergangenheit ein Fehler bestätigt. Aus Sicht der Krankenkassen sind die Risiken für die Patienten zu groß - trotz verstärkter Bemühungen vieler Krankenhäuser zur Vermeidung von Fehlern. Jens Spahn (CDU) vom deutschen Bundestag sieht die Statistiken 2013 dagegen positiv: "Im Übrigen muss man zur Einordnung sagen, dass angesichts von über 19 Millionen stationären Behandlungen im Jahr die Zahl der Fehler erfreulich gering ist."




Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen