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MassenausstiegStarker Rückgang der Beschäftigtenzahlen in der Pflege

Der Weltbund der Krankenschwestern und Krankenpfleger (ICN) teilt mit, dass es weltweit einen Rückgang der Zahl der Pflegekräfte gibt. Auch in Deutschland fehlen Pflegekräfte, jedoch sind die Beschäftigtenzahlen über den Sommer angestiegen.

Klinikpersonal
Sudok1/stock.adobe.com
Symbolfoto

Der immense Druck der Corona-Pandemie zwingt in aller Welt offenbar zahlreiche Pflegekräfte im Gesundheitswesen zur Aufgabe. In fast jedem fünften der befragten Länder werde dieser Trend beobachtet, teilte der Weltbund der Krankenschwestern und Krankenpfleger (ICN) in Genf mit.

Die Bundesagentur für Arbeit bestätigte den Trend für Deutschland zunächst nicht. Es sei ein Aufwuchs an Arbeitskräften im Gesundheitswesen zu verzeichnen. Genaue Zahlen liegen für 2020 noch nicht vor.

Pflegekräfte weltweit leiden unter hoher Arbeitsbelastung

Der ICN argumentierte, es sei davon auszugehen, dass die Arbeitslast, die mangelhafte Ausstattung der Kliniken, die Gefahr eines Burnouts und generell der Stress die Ursachen für eine Fluchtbewegung aus dem Beruf seien. Die Personal-Situation werde verschlimmert durch den strukturellen Engpass. Schon am Beginn der Pandemie vor rund einem Jahr habe es weltweit sechs Millionen Pflegekräfte zu wenig gegeben. Bis 2030 würden weitere vier Millionen altersbedingt ausscheiden, hieß es.

Der Weltbund forderte bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitsregelungen insbesondere für ältere Krankenschwestern und Unterstützung bei der Bewältigung der Traumata des vergangenen Jahres. Weltweit seien die Pflegekräfte bis zum Äußersten strapaziert worden.

In Deutschland steigt die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen

Auch in Deutschland fehlen Pflegekräfte. An vielen Stellen wird versucht, etwa durch Intensivierung der Ausbildung, Heranziehen von Berufsaussteigern über Pflegepools oder ausländische Fachkräfte des Problems Herr zu werden. In Deutschland hatte es im Frühjahr und Sommer 2020 einen kurzzeitigen Rückgang der Zahl der Pflegekräfte gegeben. Während des ersten Lockdowns seien vorübergehend Beschäftigte in Reha-Einrichtungen freigestellt worden. „Das war eine Momentaufnahme", sagte ein Sprecher der Bundesagentur. „Die Beschäftigtenzahlen sind über den Sommer bereits wieder angestiegen." Von September bis Dezember stieg die Zahl der Beschäftigten in den Bereichen „Gesundheitswesen" sowie "Heime und Soziales" um rund 47 000.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Georg Baum bestätigt die Bundesagentur: „Falls es tatsächlich in den Monaten April bis Juni 2020 zu einem Rückgang gekommen sein sollte, scheint dies kein Trend, sondern eher eine Momentaufnahme im Rekrutierungsprozess zu sein. Jede Pflegekraft wird den Krankenhäusern voll finanziert, so dass es kein finanzielles Interesse für weniger Pflegekräfte in Krankenhäusern gibt. Der gemeldete Rückgang bewegt sich durchaus im Rahmen der vor allem altersbedingten Fluktuationen und kann auch mit Stellenbesetzungsproblemen unter Pandemiebedingungen erklärt werden."

Das Gesundheitswesen, darunter die Pflege, gehöre zu den wenigen Branchen, die ohne Beschäftigungsverluste durch das vergangene Jahr gekommen seien. In der Politik wird derzeit versucht, Anreize zu schaffen, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Unter anderem werden Modelle diskutiert, wie Einkommensanteile möglicherweise steuerfrei gestellt werden können, so dass den Bediensteten mehr Nettogehalt bleibt.

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