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Kritik an BundesregierungÄrzteschaft und Pflegekräften fehlt Konzept bei Corona-Prämie

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, eine neue Corona-Prämie für besonders belastete Klinikmitarbeiter auf den Weg zu bringen. Ärzte- und Pflegeverbände bemängeln das unausgereifte Konzept hinter dem Bonus. 

Prämie
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Symbolfoto

Laut Medienberichten plant das sogenannte Corona-Kabinett der Bundesregierung eine neue Prämie für Pflegefachpersonen und andere Beschäftigte in Kliniken. Insgesamt 450 Millionen Euro seien vorgesehen – für den herausragenden Einsatz bei der Versorgung von Covid-19-Patienten. Konkret sollen Kliniken, die eine Mindestzahl an Corona-Patienten behandelt haben eine Prämie von 1500 Euro an besonders belastete Beschäftige auszahlen können. Kritik an den Plänen kommt nun unter anderem vom Deutschen Pflegerat (DPR), der Bundespflegekammer und dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).

Immenser Systemfehler

Die Bundespflegekammer plädiert dafür, erst einmal die alten Prämien alle auszuzahlen. „Es ist für uns nicht verständlich, wie man in der jetzigen Situation, in der noch nicht einmal alle Prämien der ersten Welle ausgezahlt worden sind, erneut diese Diskussion aufmacht“, erklärt Dr. Markus Mai, Präsidiumsmitglied der Bundespflegekammer und Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Der Deutsche Pflegerat kritisiert überdies, dass es kein einheitliches Konzept für die neuerliche Corona-Prämie gebe. „Ist man im letzten Jahr mit den in Pflegeeinrichtungen Beschäftigten gestartet und hat bei den Klinikmitarbeitern aufgrund massiver Kritik nachgezogen, so soll jetzt die Prämie nur auf das Klinikpersonal begrenzt werden, gestaffelt nach der Anzahl der an Covid-19 infizierten Patientinnen und Patienten. Das ist ein immenser Systemfehler“, sagt Christine Vogler, Vize-Präsidentin des DPR.

Fragwürdige Verteilung der Prämie

Die Verteilung der Bonuszahlung müsse fair und transparent erfolgen. „Die Rede ist hier von besonders betroffenen Beschäftigten, die diese extra Prämie ausgezahlt bekommen sollen. Doch, wer legt diese Personengruppe fest? Und warum nur in den Kliniken, die Alten- und Pflegeheime sowie die ambulanten Pflegedienste sind unter dieser zweiten Welle ebenso schwer betroffen“, so Dr. Mai.

Das sieht Vogler ähnlich: „Die Prämie muss allen professionell Pflegenden zukommen. Unabhängig davon, ob sie in Krankenhäusern, in Rehabilitationskliniken oder in den Einrichtungen der ambulanten und stationären Pflege arbeiten.“ 

Auch beim BDI bestehen Zweifel über die Verteilung der Prämie. „Patientenversorgung ist eine Teamaufgabe. Dass die Bundesregierung bei den Corona-Prämien Ärztinnen und Ärzte erneut übergeht, ist nicht gerade teamförderlich, ein absolutes Unding und respektlos“, sagt BDI-Vizepräsident Dr. Kevin Schulte. Aus Sicht des BDI werden Ärztinnen und Ärzte gegenüber Klinikpersonal bei der Bonuszahlung ausgeschlossen. „Besonders für die Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung, die nicht am oberen Ende des Gehaltsgefüges stehen, ist das ein Schlag ins Gesicht“, so Schulte weiter.

Dauerhafte Stärkung der Pflege nötig

Darüber hinaus betonen sowohl Mai als auch Vogler, dass die Auszahlungen deutlich unbürokratischer organisiert werden müssen. „Wichtig ist eine faire, schnelle und einfache Auszahlung“, sagt Vogler. Zudem erklärt Dr. Mai: „Wir raten davon ab, die Bürde der Verteilung der Boni wieder den einzelnen Einrichtungen und Kliniken aufzuerlegen.“ Dieses Vorgehen führe zu einem Durcheinander.

Einigkeit zwischen den beiden Pflegeverbänden besteht auch mit Blick auf die begrenzte Bedeutung der Prämie. Wichtiger als eine neuerlicher einseitiger Bonus, sei, sich dauerhaft für eine bessere Bezahlung der Pflegefachkräfte einzusetzen. „Um die Pflege für die Zukunft zu stärken, ist eine angemessene Bezahlung deren Beschäftigten mehr denn je wichtiger als eine Prämie“, sagt Vogler vom DPR.

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