Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG
Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG

ArzneimittelAmnog legt Systemmängel offen

Nur jeder zweite untersuchte Arzneimittelwirkstoff weist einen Zusatznutzen auf. Gleichzeitig fällt auf, dass Arzneimittel ohne Mehrwert beträchtliche Verordnungszuwächse haben. Das zeigt der Amnog-Report der DAK-Gesundheit zur Arzneimittelbewertung.

Die Analyse von Wolfgang Greiner (Universität Bielefeld) zeige, dass nicht alle neuen Medikamente, die auf den Markt kommen, für den Patienten auch einen echten Fortschritt in der Therapie bedeuten, so die DAK. Greiner hat für die DAK-Gesundheit die Wirkungen des Gesetzes zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (Amnog) untersucht und 58 Wirkstoffe in 64 Verfahren im Zeitraum bis 2013 überprüft.

Wirkstoffe ohne Zusatznutzen boomen
Die Studie legt manche Ungereimtheit offen. Ein wesentliches Ziel der Reform war eigentlich, dass Medikamente ohne Zusatznutzen deutlich weniger verordnet werden sollten. Ein überraschendes Ergebnis des DAK-AMNOG-Reports ist jedoch: Auch wenn Arzneimitteln kein therapeutischer Fortschritt bescheinigt wird, werden sie häufig verordnet. So haben Wirkstoffe ohne Zusatznutzen innerhalb des ersten Jahres nach Veröffentlichung des Prüfergebnisses beachtliche Verordnungszahlen und -zuwächse erreicht. Ein Beispiel dafür ist Fampyra, ein Medikament gegen Multiple Sklerose. Der Umsatz dieses Mittels habe sich in den beiden Jahren nach der Prüfung verzehnfacht, obwohl kein Zusatznutzen festgestellt wurde.

DAK-Chef Herbert Rebscher zieht dennoch ein positives Urteil über das Amnog. Dieses erweise sich insgesamt als "sozialpolitisch erfolgreich und sinnvoll, weil die wissenschaftliche Bewertung von neuen Arzneimitteln die Spreu vom Weizen trennt. So können wir die Beiträge unserer Versicherten für echten Mehrwert ausgeben und nicht für Scheininnovationen", betont der DAK-Chef. Auch der CDU/CSU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn würdigte das Amnog als "eine kleine Revolution" auf dem Arzneimittelmarkt. Das sogenannte Gesetz "bedeutete das Ende der Mondpreise für Medikamente", sagte Spahn der Deutschen Presse-Agentur.

Hersteller beklagen Kostendeckel
In der Arzneimittelindustrie hält sich dagegen die Begeisterung über das Amnog in Grenzen. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) beklagt bei neuen Präparaten eine einseitige Ausrichtung auf die Kostendämpfung. "Dabei ist eine stärkere Beachtung der Versorgungsqualität im Gesundheitssystem überfällig", so vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. 2014 gab es laut Fischer mehr als 40 neue Medikamente in Deutschland; die Unternehmen steckten 5,7 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Medikamente. Eine Refinanzierung sei aber nicht mehr gewährleistet, "wenn die Preise für neue Medikamente hierzulande unter den europäischen Durchschnitt sinken", warnte Fischer.

Sortierung
  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Jetzt einloggen