Das Gesundheitswesen in Deutschland stehe angesichts der demographischen Veränderungen und der rasanten Entwicklungen in der High-tech-Medizin vor grundlegenden Herausforderungen, die auch die Strukturen im Krankenhauswesen betreffen. Deswegen sei die Forschung auf bessere Krankenhausstatistiken angewiesen, um entsprechend reagieren zu können. Der Bayreuther Wissenschaftler verweist auf aktuelle Überlegungen, ob die Qualität der Versorgung eher durch große medizinische Zentren oder vielmehr durch ein Netzwerk großer und kleiner medizinischer Einheiten gewährleistet werden kann. Ebenso sei die Frage ungeklärt, ob für viele Patienten kurze Entfernungen zwischen ihrem Wohnort und dem nächsten Krankenhaus so wertvoll sind, dass sie dafür Abstriche bei der Qualität in Kauf nehmen würden. "Wir in Bayreuth – und ebenso zahlreiche Kollegen an anderen Hochschulen mit gesundheitsökonomischer Forschung – würden solche für die Patienten und die Gesundheitspolitik drängenden Fragen gerne viel intensiver untersuchen, als dies bisher geschehen ist. Doch wirklich seriöse Antworten sind oft nicht möglich, weil uns die nötigen Daten fehlen." So würden manche Standorte in der amtlichen Statistik nicht oder nur unzureichend erfasst.
Kompetenzen auf Bund- und Länderebene klarer strukturieren
Der Bayreuther Gesundheitsökonom befürchtet, dass die gesundheitsökonomische Forschung in Deutschland in Zukunft hinter international etablierten Standards deutlich zurückbleibe, sollten die Reformen nicht bald angestoßen werden. Ein wesentliches Hindernis für eine durchgreifende Reform liegt aus Sicht des Bayreuther Wissenschaftlers auch darin, dass sowohl auf Bundes- wie auch Länderebene unterschiedliche Ministerien und Behörden an der amtlichen Krankenhausstatistik mitwirken. Die Kompetenzen sollten daher klarer strukturiert, vereinfacht und auf Bundesebene zusammengeführt werden. "Das Bundesministerium für Gesundheit könnte dabei eine wichtige Funktion übernehmen, indem es die Interessen und Aktivitäten aller Beteiligten koordiniert", so Andreas Schmid.
Andreas Schmid, Professor für Gesundheitsmanagement an der Universität Bayreuth, ist zugleich Vorsitzender des Ausschusses "Stationäre Versorgung" in der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (dggö).


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