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Unterstützung durch die Politik„Bis zu 50 Prozent Zuschuss für ein Energiemanagementsystem“

Christian Fritschi vom Referat „Energieeffizienz in Haushalten und Unternehmen“ des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg erläutert im Interview die Fördermaßnahmen für Krankenhäuser.

Wie unterstützt die Landesregierung die Gesundheitseinrichtungen in Baden-Württemberg bei der Umsetzung von Energieeffizienz-Projekten?

Um Energie- und Kosteneinsparpotenziale in Gesundheitseinrichtungen zu heben, haben wir spezielle Förderprogramme aufgelegt. Mit dem Förderprogramm „Klimaschutz-Plus“ bezuschussen wir beispielsweise eine vertiefende Energieberatung. Abhängig von der Bettenzahl unterstützen wir Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen dabei mit bis zu 16 000 Euro. Wir fördern darüber hinaus Investitionen in erneuerbare Energien wie Solarthermieanlagen, Wärmepumpen oder Holzpelletsysteme, in den baulichen Wärmeschutz, die Nutzung von Abwärme sowie die Sanierung der Beleuchtung oder der Lüftungsanlage. Einen wesentlichen Beitrag zu mehr Effizienz kann in unseren Augen auch ein umfassendes Energiemanagementsystem leisten. Daher greifen wir Gesundheitseinrichtungen, die ein solches System bei sich einführen wollen, mit einem Zuschuss von bis zu 50 Prozent unter die Arme.

Wir unterstützen unsere Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen jedoch nicht nur in finanzieller Hinsicht. Wichtig ist uns auch, innovative Beispiele und Maßnahmen einzelner Gesundheitseinrichtungen zur Einsparung von Energie und Kosten bekannt zu machen und so andere zum Nachahmen zu motivieren. Unsere jährlich stattfindende Fachtagung „Energieeffizienz in baden-württembergischen Gesundheitseinrichtungen“ bietet die perfekte Plattform hierfür. Besonders innovative Energieeffizienzmaßnahmen von Gesundheitseinrichtungen beschreibt auch unsere Broschüre „Energieeffizienz in Gesundheitseinrichtungen – Erfolgsbeispiele aus Baden-Württemberg“.

Ergänzt wird unser Angebot durch den zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie entwickelten kostenlosen Quick-Check. Dieses Benchmarking-Tool vergleicht anonym die Energieverbräuche der eigenen Einrichtung mit denen anderer Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen im Land und deckt so vorhandene Einsparungspotenziale auf.

Wie beurteilen Sie die bisherigen Anstrengungen der Krankenhäuser, die CO2-Emissionen und den Energieverbrauch zu senken?

Wir sind uns des hohen finanziellen Drucks in vielen Krankenhäusern bewusst. Leistungsverdichtung und knappes Personal nicht nur im pflegerischen, sondern auch im technischen Bereich sind ein Dauerthema im deutschen Gesundheitssystem. Vor diesem Hintergrund können wir nachvollziehen, dass es vielen Gesundheitseinrichtungen schwerfällt, Maßnahmen für einen effizienteren Umgang mit Energie zu entwickeln und umzusetzen.

Es kommt nicht von ungefähr, dass in den letzten Jahren lediglich in Bereichen mit niedriger Amortisationszeit und geringem Umsetzungsaufwand investiert wurde. Insbesondere bei der Beleuchtung der Häuser konnten nicht zuletzt auch durch entsprechende Förderprogramme enorme wirtschaftliche Verbesserungen erreicht und entsprechende Investitionen angereizt werden. Immer häufiger setzen Gesundheitseinrichtungen auch Blockheizkraftwerke ein. Sie sind wirt-schaftlich attraktiv und tragen durch einen geringeren Energiebedarf unmittelbar zur Reduzierung der CO2-Emissionen bei.

Wo sehen Sie in den Krankenhäusern generell noch Einsparpotenziale beim Energieverbrauch, die bisher zu wenig genutzt werden?

Der Gesundheitssektor in unserem Land verfügt noch über enorme Einsparpotenziale. Diese sind jedoch von Einrichtung zu Einrichtung sehr individuell. Wir empfehlen und fördern daher die Einführung eines Energiemanagementsystems. Damit können mögliche Einsparpotenziale aufgedeckt und Wege für deren wirtschaftliche Erschließung bewertet werden. Erfreulicherweise lassen sich immer mehr Einrichtungen zertifizieren und widmen sich aktiv dem Energiemanagement. Leider gibt es derzeit noch keine Studie, die einen Überblick über die bislang erreichten gesamten Einsparungen und die noch brachliegenden Potenziale liefert.

Wie wir aber aus Schätzungen wissen, könnten je nach Alter und Größe der Krankenhäuser rund 40 Prozent Strom und 32 Prozent Wärme eingespart werden. Nicht zuletzt beeinflusst das Nutzerverhalten wie in allen Branchen auch in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen den Energieverbrauch ganz erheblich. Das Projekt „Klimaretter – Lebensretter“ der Stiftung viamedica zielt darauf ab, die Beschäftigten in den Gesundheitseinrichtungen in ihrem Umgang mit Ressourcen zu sensibilisieren. Solche Projekte, die zeigen, dass jede und jeder Einzelne einen individuellen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, befürworten wir ausdrücklich.

Dieser Artikel ist erschienen im kma Report Krankenhaustechnik.

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