In der Aktion "162.000 für 162.000" wollte Verdi symbolisch so viele Klinikmitarbeiter mobilisieren, wie den Kliniken insgesamt nach ihren Erhebungen fehlen. Für den Bereich der stationären Krankenpflege wird die Unterbesetzung mit 70.000 Stellen beziffert. Bei der bundesweiten Aktion sollten die Beschäftigten durchnummerierte Kartons mit den Ziffern 1 bis 162.000 in die Höhe halten, um die Personalnot auch im wörtlichen Sinn sichtbar zu machen. Mindestens 1.300 der rund 2.000 deutschen Krankenhäuser und Kliniken hätten ihre Beteiligung an dem bundesweiten Protesttag mittlerweile zugesichert, teilte die Dienstleistungsgewerkschaft mit.
"Belastungsgrenze erreicht"
Im Sana Hanse-Klinikum Wismar etwa unterstützt die Geschäftsführung den Protest explizit. Dort soll eine Kundgebung vor dem Tor stattfinden. "Wir haben Verständnis für die Sorgen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", erklärte Pressesprecherin Stefani Kortmann. Die seit Jahren bestehende Unterfinanzierung der Personalkosten werde sich durch die kürzlich im Bundeskabinett verabschiedete Klinikreform noch weiter verschärfen. Die Belastung des Krankenhauspersonals sei an ihre Grenzen gekommen.
Anlass der Aktion waren die Tagungen der Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern am Mittwoch in Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) und des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags in Berlin. Mit den Protesten wollten die Mitarbeiter zudem ihrem Unmut über den von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf zur Krankenhausreform Ausdruck verleihen. Nach Angaben der Gewerkschaft wehren sich die Angestellten gegen den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Krankenhausreform. Das Mitte Juni veröffentlichte Pflegeförderprogramm würde nicht ausreichen, um den Personalmangel in deutschen Krankenhäusern auszugleichen.
DKG unterstützt Verdi
"Ein Pflegeförderprogramm für 1 bis 3,5 Pflegestellen pro Krankenhaus bringe den Patienten niemals die dringend notwendige Verbesserung der Versorgung" und reichten nicht, um den Personalmangel in deutschen Krankenhäusern auszugleichen, erklärte Hamburgs Verdi-Chef Berthold Bose. Am Nachmittag will eine Delegation von etwa 300 Beschäftigten am Rande der Gesundheitsministerkonferenz in Bad Dürkheim mit deren Vorsitzenden sprechen –der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Auch der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Thomas Reumann, hat sein Kommen zugesagt. Die DKG hat den Krankenhäusern empfohlen, die Protestaktion von Verdi nicht zu behindern und wo es geht, zu unterstützen. „Über den Umfang kann man sicherlich streiten. Wir sind nicht der Ansicht, dass Kliniken 160.000 Beschäftigte angesichts des Fachkräftemangels bekommen – und bezahlen können. Doch grundsätzlich teilen wir die Forderung nach mehr Personal und die Bereitstellung der Mittel dafür”, erklärt DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.
Charité-Streik ausgeweitet
An der Berliner Charité wurde ein Streik des Pflegepersonals unterdessen ausgeweitet. Mit dem Ausstand will Verdi an Europas größter Universitätsklinik einen Tarifvertrag durchsetzen, der eine bestimmte personelle Mindestausstattung der Stationen mit Pflegepersonal vorsieht. Die Charité-Geschäftsleitung hält dem entgegen, dass die gewünschten 600 Personalstellen mehr im Jahr 36 Millionen Euro zusätzlich kosten würden.


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