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100-Euro-Strafe für KomatrinkerCDU-Vorstoß erntet Kritik

Zuletzt haben sich wieder mehr junge Leute ins Krankenhaus getrunken. Guter Rat ist seit Jahren teuer. CDU-Experte Spahn will Eltern an den Kosten beteiligen. Der Aufschrei kommt prompt.

Angesichts zehntausender jugendlicher Komatrinker pro Jahr hat der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn gefordert, die Eltern an den Behandlungskosten mit 100 Euro zu beteiligen. "Das Geld für den Wodka war ja auch da", sagte Spahn dem Radiosender hr1. Das FDP-geführte Bundesgesundheitsministerium hält von dem Vorstoß allerdings wenig. Die Opposition lehnt ihn sogar rundweg ab. Das Problem ist groß - und seit Jahren scheitert die Politik daran, es einzudämmen. Allein 2011 wurden wegen Komasaufens 26 349 Jungen und Mädchen zwischen 10 und 19 Jahren stationär in einer Klinik behandelt - 354 mehr als 2010, aber 79 weniger als 2009. Laut einer vor einem Jahr vorgestellten Studie zur Drogenaffinität Jugendlicher betrinkt sich mehr als die Hälfte der jungen Männer zwischen 18 und 25 einmal im Monat oder häufiger bis zum Umfallen.

Bahr: Strafen sind nicht der richtige Weg
Passend zur Fastenzeit wartete Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, mit einem provokanten Vorstoß auf. Durch die jugendlicher Komatrinker würden unnötig Personal und Geld im Gesundheitswesen gebunden, sagte er der "Rheinischen Post" (Mittwoch). "Man sollte die Eltern pauschal mit 100 Euro an den Behandlungskosten beteiligen, um sie an ihre Verantwortung zu erinnern." Das Geld könne direkt an die Krankenkassen gezahlt werden. Geballter Widerstand ließ nicht lange auf sich warten. "Wer so einen Vorschlag macht, hat sich weder mit dem Problem Komasaufen noch mit unserem auf Solidarität basierenden Gesundheitssystem befasst", hielt die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) dem CDU-Experten entgegen. Die SPD-Drogenpolitikerin Angelika Graf befand: "Völliger Quatsch. Härtere Strafen führen nicht zu weniger Komatrinkern." Auch von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat Spahn kaum Unterstützung zu erwarten. "Strafen sind nicht unser Weg", sagte ein Sprecher. Im Sozialgesetzbuch finde sich schon eine Klausel, nach der Kassen Versicherte, die sich vorsätzlich schädigen, an den Behandlungskosten beteiligen könnten. Gegen Alkoholmissbrauch gebe es viele Ansätze, die ineinandergreifen müssten.

Spahn legt nach
Spahn legte jedoch nach. Alleine Rettungswagen und Notarzt kosteten einige hundert Euro, die eigentliche Behandlung 2.000 bis 3.000 Euro, sagte er hr1. "Ich habe den Eindruck, dass man Eltern manchmal an die Erziehungsverantwortung erinnern muss. Übrigens auch in sozial bessergestellten Schichten." Die Linke-Gesundheitsexpertin Martina Bunge warf ihm vor, einer persönlichen Vorliebe für populistische Schnellschüsse erlegen zu sein. "Statt Alkoholwerbung zu verbieten, paktiert die Regierung mit der Alkoholindustrie bei unwirksamen Alkoholkampagnen." Die SPD-Vizechefin Aydan Özoguz mahnte: "Nicht einmal Ausweiskontrollen werden flächendeckend konsequent durchgeführt."

Suchtexperten: Händler sollen bestraft werden
Das Problem ist nicht neu. Drogenexperten etwa von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen fordern schon seit längerem, an drei Punkten anzusetzen: den Preisen, der Werbung und dem Jugendschutz. Neben höherer Besteuerung halten sie Einschränkungen bei der Werbung sowie die Bestrafung von Händlern für nötig, die Schnaps an Jugendliche verkaufen. NRW-Ministerin Steffens berichtete, in ihrem Land trete man nach einer Alkoholvergiftung meist noch im Krankenhaus offiziell aufklärend an Jugendliche heran. Was wäre, so Steffens, wenn Spahns Vorschlag konsequent auch bei Erwachsenen umgesetzt würde? Dann müsse wohl auch schädliches Essverhalten, zu wenig Sport, Übergewicht und weiteres Suchtverhalten einbezogen werden. "Es geht nicht, wäre ungerecht und ein enormer Bürokratieaufwand."

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