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DKG-Präsident Reumann im Interview

Der Bund muss bei der Investitionsfinanzierung mit ins Boot

Thomas Reumann tritt nach drei Jahren als DKG-Präsident nicht zur Wiederwahl an. Im Interview mit kma erklärt der Reutlinger Landrat, warum er „Adieu“ sagt, weshalb die Krankenhausplanung auf neue Füße gestellt werden muss und wieso die Instandhaltung des Schienennetzes ein Vorbild für das Gesundheitswesen sein sollte.

Thomas Reumann, Präsident DKG

Foto: DKG

Thomas Reumann, Präsident DKG

Herr Reumann, Sie haben angekündigt, für die nächste Amtszeit nicht mehr als DKG-Präsident zur Verfügung zu stehen. Was hat Sie dazu bewogen?

In den kommenden Jahren stehen große Herausforderungen an: Die Umsetzung des Krankenhausstrukturgesetzes, die anstehenden G-BA-Entscheidungen oder Kernthemen, die noch nicht angegangen sind wie Investitionsfinanzierung, ambulante Notfallversorgung und Personalfinanzierung. Ich bin im Schnitt ein bis zwei Tage pro Woche in Berlin. Wenn ich die Herausforderungen ernst nehme, und meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden möchte, dann müsste ich zeitlich noch einen Schippe drauflegen. Das ist mit meiner Tätigkeit als Landrat aber nicht vereinbar.

Als Landrat sind Sie ein eher außergewöhnlicher Amtsträger. Was hat Sie vor drei Jahren dazu bewogen, das Amt anzunehmen?

Krankenhäuser sind ein wichtiger Teil der sozialen Infrastruktur. Wenn sich eine Region entwickeln will, sind nicht nur Bildung, Straßen und Arbeitsplätze wichtig, sondern ganz besonders auch das Thema der medizinischen Versorgung in all seinen Facetten. Das bewegt mich als Landrat. Deshalb engagiere ich mich im Gesundheitsbereich. Nach 6 Jahren BWKG war es eine interessanten Herausforderung, auf Bundesebene Verantwortung zu übernehmen.

Wie lässt sich diese Daseinsvorsorge sicherstellen?

Wichtig ist zunächst das gemeinsame Verständnis aller Akteure, dass es sich um Daseinsvorsorge handelt. Und: Wir werden in Zukunft nicht mehr ein Konzept für Kliniken, eines für die Pflege, eines für Reha und eines für ambulante Versorgung aufstellen können. Krankenhausplanung auf Landesebene und Planung der ambulanten Versorgung auf Bundesebene – das passt nicht mehr zusammen und wird den Erwartungen, den Bedarfen und den Versorgungsrealitäten schon lange nicht mehr gerecht. Die Mauern zwischen den Versorgungsbereichen müssen fallen. Wir müssen in Versorgungsnetzwerken denken.

Ein Dauerthema bleibt für Kliniken die Investitionsfinanzierung. Wie lange müssen die Kliniken noch an diesem dicken Brett bohren bis der Durchbruch kommt? Welche Lösung scheint Ihnen am wahrscheinlichsten?

Entweder die Länder kommen endlich ihrer Verantwortung nach und investieren bedarfsgerecht in Kliniken, oder – derzeit wohl der realistischere Weg – der Bund steigt in die Finanzierung mit ein. Für Letzteres gibt es ein aktuelles Vorbild: Für den Schienenverkehr gab es die klare Regelung, dass der Bund bis 2019 komplett aus der Finanzierung aussteigt und die Länder übernehmen. Man hat festgestellt, dass die Infrastruktur stark sanierungsbedürftig ist und die Länder dies allein nicht werden finanzieren können. Als Konsequenz hat der Bund in diesem Sommer als eines der letzten Gesetzgebungsverfahren das Grundgesetz geändert und beschlossen, die Mitfinanzierung der Schieneninfrastruktur fortzuführen. Ich sage, wir Krankenhäuser sind genauso wichtig wie der Öffentliche Nahverkehr oder der Straßenbau.

Bleiben Sie der Gesundheitspolitik auch in Zukunft erhalten?

Schaun mer mal!

 

Das Interview erschien in kma Ausgabe 10/17.

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  • Investitionsfinanzierung

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