Interview mit Barbara Steffens
Wenn die Länder die Schuldenbremse ernst nehmen, bleibt die Uniklinik Halle, die kurz vor der Schließung stand, kein Einzelfall, oder sehen Sie das anders?
Unikliniken haben grundsätzlich aus zwei Gründen Schwierigkeiten: Zum einen, weil besondere Leistungen, die Maximalversorger anbieten, teilweise nicht ausreichend in den DRG abgebildet werden. Zum anderen, weil das DRG-System die demographische Entwicklung nur sehr unzureichend berücksichtigt.
Auch die Investitionsfinanzierung der Länder schrumpft seit Jahren…
Sowohl bei den Unikliniken als auch bei den Krankenhäusern hat es in NRW in den vergangenen Jahren keine Absenkung der Investitionsförderung durch das Land gegeben. Ein Maximalversorger bekommt in NRW je nach Größe zwischen fünf und neun Millionen Euro Investitionsfinanzierung, bei Unikliniken liegt der Betrag im Durchschnitt doppelt so hoch. Da die Unikliniken auch in Forschung und Lehre investieren, sind diese Summen jedoch schwer vergleichbar.
kma-Juli-Ausgabe: Spitzenmedizin in der Krise
Unikliniken fordern einen Systemzuschlag für ihre besonderen strukturellen Leistungen. Was halten Sie davon?
Zunächst benötigen wir eine höhere Transparenz bei Fällen mit extremen Kosten. Darüber könnte ein Weg gefunden werden, notwendige Versorgungsleistungen, die nicht vom DRG-System abgebildet werden, bei allen Maximalversorgern zu vergüten. Einen generellen Zuschlag für Versorgungsleistungen von Unikliniken hielte ich für einen Bruch mit dem System. Die Geldströme für Betriebskosten müssen nach meiner Auffassung für alle Kliniken nach den gleichen Kriterien fließen.
Eine Sonderbehandlung für die Unikliniken lehnen Sie also ab?
Was die reine Versorgung betrifft und nicht den Bereich Forschung und Lehre, ja. Wir haben in NRW sechs Unikliniken und mindestens ebenso viele Maximalversorger. Diese Häuser spielen für die Krankenversorgung in NRW eine ähnliche Rolle. Ich erwarte von allen 400 Kliniken im Land, dass sie in der Regionalversorgung stärker miteinander kooperieren. Wenn wir alles aufrecht erhalten wollen wie bisher, wird das auf Dauer die Ergebnisqualität schmälern.
Sie überarbeiten gerade den NRW-Krankenhausplan. Welche Rolle spielt die Zentrenbildung und die Vernetzung?
Das Vernetzen von Regionalversorgern insbesondere in strukturschwachen Regionen ist uns wichtig. Es muss beispielsweise nicht jedes Haus eine Geriatrie haben. Wenn es tragbare Kooperationen nachweist, reicht das aus. Dies haben wir im Krankenhausrahmenplan verankert. Brustzentren sind ein weiteres Beispiel dafür wie sinnvoll es ist, dass nicht jedes Haus alles machen sollte. Wenn Krankenhäuser sich regelmäßig zertifizieren lassen und eine Mindestanzahl an Operationen nachweisen müssen, werden damit Qualitätskriterien festgelegt - zum Vorteil der Patientinnen und Patienten.


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