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Entlastung gefordert

Erneut Warnstreiks in Kliniken wegen Personalknappheit

Mehrere hundert Beschäftigte der Kreiskliniken Günzburg-Krumbach, des Klinikums Augsburg, des Klinikums Frankfurt Höchst, der Uniklinik Düsseldorf sowie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg haben am Dienstag einen zweitägigen Warnstreik begonnen. Sie wollen auf Personalknappheit aufmerksam machen und fordern bessere Arbeitsbedingungen.

Verdi

Foto: Verdi/Kay Herschelmann

Bundesfachbereichskonferenz 2015

Die Gewerkschaft Verdi hatte dazu aufgerufen. Die Notfallversorgung sei während der Aktion aber gesichert, sagten Verdi-Sprecher. Ärzte beteiligten sich nicht am Ausstand. Zum Warnstreik aufgerufen seien vor allem Pflege-Beschäftigte, aber auch anderen Klinik-Mitarbeiter wie Physiotherapeuten und Techniker.

In Frankfurt wurde eine Streikbeteiligung von 200 Mitstreitern im Tagesverlauf erwartet, in Gießen 350 und in Marburg 200. Der Warnstreik soll am Mittwoch nach der Spätschicht enden. „Wenn wir aber kein Angebot bekommen, machen wir absehbar weiter“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Fabian Rehm. Er sagte zum Anlass der Warnstreiks: „Unterbesetzung belastet die Beschäftigten.“ Darunter litten auch die Patienten. Verdi fordert deshalb verbindliche Personal-Mindeststandards für alle Bereiche.

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske forderte die Politik auf, nicht länger tatenlos zuzuschauen, sondern zu handeln. Dass die Beschäftigten Tarifverträge mit den Arbeitgebern erkämpfen, sei nur ein Schritt zur Verbesserung. Unabhängig davon müsse die Politik ihre Verantwortung für eine generelle Regelung übernehmen. Alle Parteien hätten vor der Wahl versprochen, dass sie das Thema Pflege anpacken wollten. „Wir brauchen gesetzliche Lösungen gegen den Personalmangel. Sonst droht ein Kollaps in der Pflege,“ sagte Bsirske. Der Personalnotstand der Kliniken dürfe nicht länger auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Bundesweit fehlen nach einer Verdi-Erhebung 162 000 Stellen in Krankenhäusern, allein 70 000 Stellen für Pflegefachkräfte.

Am Mittwoch wird es erstmals einen Streik in einer katholischen Klinik geben: Die Beschäftigten des Marienkrankenhauses in Ottweiler (Saarland) werden die Arbeit niederlegen. Auch ihr Ziel: Entlastung. Die Klinikleitung reagierte auf den Streikaufruf mit Einschüchterung, sie drohte den Beschäftigten mit Konsequenzen, sollten diese sich am Streik beteiligen, so Verdi.

  • Schlagwörter:
  • Verdi
  • Warnstreik
  • Pflegepersonal
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Kommentare (1)

  1. Lächerlich

    11.10.2017, 07:59 Uhr

    Es gibt Krankenhäuser und Kliniken, gerade kleinere Einheiten auf dem Lande, die um ihre Existenz kämpfen und echte Probleme bei der Personalbeschaffung haben, die wirklich Personalnot und engagierte und überlastete Mitarbeiter haben. Die hier aufgeführten Kliniken gehören nicht dazu. Objektiv gemessen, geht es bei diesen Häusern um die Spitze der Gewerkschafts- und Parteienmacht, nicht um Patienten und Mitarbeiter. Und eine kleine Frage: Wo soll das fehlende Personal herkommen? Es fehlt ja im Regelfall nicht mangels Stellenplan, sondern mangels geeigneter Bewerber.

    Dirk Schmitz

     

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