Zunächst muss pro Frühchen, das eine Intensivbehandlung braucht, nach einer dreijährigen Übergangsfrist mindestens eine Kinderkrankenschwester oder ein Fachpfleger zur Verfügung stehen. Das hatte das für solche Fragen entscheidende Gremium, der Gemeinsame Bundesausschusses (GBA) von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, in seiner jüngsten Sitzung im Juni beschlossen. Und mindestens eine Kinderkrankenpflegekraft muss für je zwei Frühgeborene verfügbar sein, die lediglich intensiv überwacht werden.
Eine Pflegekraft für sechs Frühchen
"Heute gibt es noch keine solchen Personalvorgaben", sagte der GBA-Vorsitzende Josef Hecken in Berlin. "Wir wissen, dass sich derzeit eine Pflegekraft um bis zu sechs Frühgeborene kümmern muss." Die neuen Vorgaben bewirkten, dass es für manche Kliniken fraglich werde, ob die Versorgung von Risikogeburten für sie wirtschaftlich sei, sagte Hecken. Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn begrüßte den Schritt: "Es ist am Ende im Sinne der Patienten, wenn nicht jeder alles macht", sagte er.
Jens Spahn begrüßt den Schritt
Nach langem Gezerre hatte das Bundessozialgericht in Kassel im Dezember eine GBA-Regelung kassiert, nach der nur noch große Spezialkliniken Frühchen mit einem Geburtsgewicht von bis zu 1.250 Gramm behandeln dürfen. Der Ausschuss hatte die Mindestgrenze von 14 auf 30 Frühchen-Behandlungen pro Jahr erhöht. "Das hätte dazu geführt, dass 90 bis 100 Abteilungen hätten schließen müssen", sagte Hecken. Durch die nun stattdessen beschlossenen Regeln stelle sich für viele der betroffenen 320 Perinatalzentren die Kostenfrage neu.
Auch bei anderen komplexen medizinischen Eingriffe braucht es nach Ansicht Heckens strengere Vorgaben und die Bildung von spezialisierten Zentren. So werde der GBA auch in der Transplantationsmedizin entsprechende jüngste Vorgaben des Bundestags zügig umsetzen. "Auch dies dürfte eine Konzentration auf wirklich qualifizierte Zentren fördern."
Uwe Deh attackiert Kliniken
Der Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, warnte vor überzogenen Vorschriften. Die nun für die Frühchen geforderte Personalausstattung sei derzeit flächendeckend nicht realisierbar, sagte er. AOK-Chef Uwe Deh forderte hingegen, Spezialisierung und Zentrenbildung wegen der größeren Therapie-Erfolge stärker zum Prinzip der Gesundheitsversorgung zu machen. "Andernfalls müssten die Kliniken den Patienten und ihren Angehörigen erklären, warum weiterhin wirtschaftliche Interessen einer guten Behandlungsqualität im Weg stehen", sagte er.
Nach Ansicht des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach sollten Patienten weit mehr als heute in die Lage kommen, dass sie nur von wirklich jeweils erfahrenen Medizinern behandelt werden. "Es gibt viele Bereiche, wo das sinnvoll wäre, beispielsweise bei Darmkrebs oder Knochenmarks-Transplantationen."


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