Personaluntergrenzen

Kommunale Großkrankenhäuser warnen vor Versorgungsengpässen

Sollte die Gesetz zu den Pflegepersonaluntergrenzen wie geplant ab 1. Januar 2019 in Kraft treten, birgt dies erhebliche Gefahren für die Versorgung von schwerkranken Patientinnen und Patienten. Auf die bevorstehenden Risiken macht die Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser (AKG) aufmerksam.

Foto: KRH

Matthias Bracht

Zu dem Verein gehören 21 Krankenhausunternehmen. Sie stehen für etwa 8 Prozent der stationären Versorgung in Deutschland. Sie bilden als Krankenhäuser der höchsten Versorgungsstufen, insbesondere in der Notfall- und Intensivmedizin, eine tragende Säule der deutschen Gesundheitsversorgung.

Die vorgesehene verbindliche Festschreibung der Pflegepersonaluntergrenzen birgt die Gefahr, dass Krankenhäuser benötigte Versorgungskapazitäten vom Netz nehmen müssen, um die Mindestbesetzungsstärken in den verbleibenden Bereichen erreichen zu können. Dazu der Vorstandsvorsitzende der AKG, Dr. Matthias Bracht: „Wir begrüßen alle Maßnahmen zur Verbesserung der Besetzungsstärken in der Pflege. Wer aber in der heutigen Mangelsituation an qualifizierten Intensivkräften, ohne angemessen Vorlauf, verbindliche Personalschlüssel festschreibt, die über den aktuellen Ist-Besetzungen liegen, nimmt zunehmende Versorgungsengpässe bei der Behandlung von schwerkranken Patienten in Kauf.“  

Einschränkung von 10 bis 20 Prozent der Intensivkapazitäten droht

Auf Basis einer internen Analyse der Daten aus 18 Mitgliedshäusern geht die AKG davon aus, dass viele Krankenhäuser in Deutschland Intensivbetten werden schließen müssen, um die Besetzungsstärke von examinierten Pflegekräften auf den gesetzeskonformen Stand erhöhen zu können. „Wir rechnen mit einer Einschränkung von 10 bis 20 Prozent der Intensivbetten“, verdeutlicht Helmut Schüttig, Geschäftsführer der AKG die Brisanz der Lage.

Verschärfend dürfte sich außerdem die nicht realitätsnahe Fokussierung der Verordnung auf examinierte Pflegekräfte auswirken. In den zurückliegenden Jahren haben viele Krankenhäuser die Pflegekräfte durch andere Berufsgruppen auf Station unterstützen lassen. Zu dem Professionsmix gehören beispielsweise Stationsassistenten, die die Pflegenden von bürokratischen Aufgaben entlasten, medizinische Fachangestellte, die bei administrativen und bestimmten delegierbaren Leistungen unterstützen oder auch Speiseassistenten.

Ergänzungspersonal nicht eingeplant

Dieses Ergänzungspersonal wird in den aktuellen Plänen überhaupt nicht berücksichtigt. Konkret setzt die Verordnung für alle Intensivstationen denselben Betreuungsschlüssel fest: Eine Pflegekraft für 2,5 Patienten tagsüber und eine Pflegekraft für 3,5 Patienten in der Nacht. Es gibt aber, gerade in den größeren Kliniken, Intensivstationen mit einem Personalschlüssel, der spürbar höher liegt, und andere, die im Rahmen eines abgestuften Versorgungskonzeptes auch darunterliegen können. „In seiner jetzigen Form ist die Verordnung viel zu ungenau“, so Schüttig weiter.

Intensivstation sei nicht gleich Intensivstation. In dem einen Bereich würden schwerstkranke beatmungspflichtige Patienten behandelt, in dem anderen Bereich würden beispielsweise Patienten behandelt, die nach einem operativen Eingriff lediglich für wenige Stunden überwacht werden müssen. Der notwendige Personaleinsatz unterscheidet sich entsprechend des individuellen Behandlungsbedarfes ganz erheblich – je nachdem, ob die Patienten bei Bewusstsein oder im Koma sind, orientiert oder desorientiert, mobil oder immobil.

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