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VKDKrankenhausfinanzierung noch vor Bundestagswahl 2021 neu aufstellen

Forscher warnen vor einer drohenden Insolvenzwelle deutscher Kliniken. Vor diesem Hintergrund mahnt der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) zu einem schnellstmöglichen Neustart der Krankenhausfinanzierung.

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Foto: Pixabay

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Mittlerweile häufen sich Berichte und Einschätzungen renommierter Forschungseinrichtungen zu einer drohenden Insolvenzwelle der Krankenhäuser. In einer jüngst veröffentlichten Studie warnt nun auch das RWI davor. Die Ausfallwahrscheinlichkeit der Krankenhäuser ist danach auf den höchsten Wert seit über zehn Jahren geklettert. Der VKD hatte bereits seit 2017 wiederholt auf diese systembedingten Tendenzen hingewiesen. Laut RWI sei spätestens 2022 nach der Bundestagswahl mit massiven finanziellen Belastungen der Krankenhäuser zu rechnen, die viele nicht mehr auffangen könnten.

Aus Sicht des VKD ist der von Bundespolitik und Krankenkassen aktiv sowie von den Ländern passiv beschrittene Weg einer kalten Strukturbereinigung eine Sackgasse. Diese führe am Ende zu einer Verschlechterung der Versorgungsqualität für die Bürger, da die entstehenden Kollateralschäden keiner Planungslogik folgten. Notwendig sei ein Neustart des Finanzierungssystems der Krankenhäuser, der nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden dürfe.

Leistungsgerechte Vergütung und Investitionen fehlen

Im aktuellen Interview der demnächst erscheinenden Praxisberichte 2020 des VKD verweist Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes, darauf, dass viele, inzwischen wohl die meisten Kliniken große wirtschaftliche Sorgen drücken. Seit Jahren fordert der VKD, das Finanzierungssystem neu aufzustellen, weil ein großer Teil der Krankenhäuser damit nicht leistungsgerecht vergütet werde.

Im DRG-System (Diagnosis Related Groups) seien keine Investitionen einkalkuliert, da dieser Teil den Ländern obliege. Trotz einer klaren gesetzlichen Regelung sei eine Unterfinanzierung allein in diesem Bereich von jährlich über vier Milliarden Euro festzustellen - eine Lücke, die schon seit längerem nicht mehr geschlossen werden könne. Düllings: „Die sogenannte duale Finanzierung muss in ihren Wechselwirkungen gesehen und neu justiert werden.“

Umgehender Handlungsbedarf

Der VKD-Präsident mahnt, dass das komplizierte Finanzierungssystem sich nicht innerhalb kürzester Zeit ändern lasse. Aus diesem Grund müsse jetzt und nicht erst nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr gehandelt werden. „Wie viele Krankenhäuser werden bis dahin – noch dazu nach wie vor unter Corona-Auflagen – wirtschaftlich am Boden sein? Wir verlieren wertvolle Zeit für eine Aufgabe, bei der es um den Bestand unserer im internationalen Vergleich hervorragenden, flächendeckenden Gesundheitsversorgung geht, die von den Krankenhäusern trotz steigender Defizite aufrechterhalten wird. Wir möchten nicht, dass die RWI-Studie Realität wird“, so Düllings.

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