Elizabeth Harrison, Geschäftsführerin des Städtischen Klinikums München:
Verbundlösungen im Krankenhaussektor sind existenziell im harten Wettbewerb. Die privaten Träger sind dabei in der Lage, auf veränderte Wettbewerbssituationen schnell und adäquat zu reagieren. Für die kommunalen Marktteilnehmer stellt die private Konkurrenz eine willkommene Herausforderung dar, die den Wettbewerb zusätzlich belebt.
Hannelore Loskill, Patientenvertreterin:
Viele Patienten interessieren sich nicht in erster Linie für die Trägerschaft eines Hauses. Man muss allerdings auch sagen, dass die meisten Unternehmen – bis auf Sana – ihre Trägerschaft nicht transparent machen. Selbst wenn sie zu Patienten-Veranstaltungen einladen, erfahren die Besucher selten, wer dahinter steht.
Heinz Lohmann, Krankenhausberater:
Der Konzentrationsprozess bei den Gesundheitsanbietern lässt sich nicht aufhalten. Zunehmender Preisverfall und steigende Qualitätsansprüche erfordern hohe Investitionen in Methodik und Technik, um die Behandlungsprozesse zu strukturieren. Nur finanzstarke Unternehmen werden in der Lage sein, diesen Anforderungen zu genügen. Der Helios-Rhön-Coup wird nicht der letzte seiner Art bleiben.
Boris Augurzky, Autor des Krankenhaus-Rating-Reports:
Die Übernahme von 43 Rhön-Krankenhäusern durch Fresenius stellt einen Meilenstein in der Konsolidierung der Krankenhauslandschaft dar. Die Helios-Kliniken werden mit großem Vorsprung zum größten Krankenhauskonzern in Deutschland. Kartellrechtlich wird dies keine Probleme bereiten. Im Zweifel kann das eine oder andere Haus nicht übernommen werden. Doch der Wettbewerbsdruck wird anziehen. Die Helios-Kliniken können – gemeinsam mit weiteren Partnern – Versicherten besondere Leistungen anbieten und damit zusätzliche Patientenströme auf sich lenken. Die Wettbewerber, private und nicht-private, werden reagieren müssen, sodass Patienten mittelfristig mit Qualitätsverbesserungen rechnen können.
Bernhard Ziegler, Vorsitzender des Interessenverbands Kommunaler Krankenhäuser:
Es wird bei diesem Geschäft zwei Verlierer geben: Das sind die Patienten und die Mitarbeiter. Die drei Milliarden Euro Kaufpreis müssen auf Sicht aus zwei Milliarden Euro Umsatzvolumen wieder verdient werden. Vorteile für die Daseinsfürsorge in Deutschland sind aus diesem Geschäft nicht zu erkennen. Und die Tatsache, dass Krankenhäuser zum Spielball von finanziellen Interessen und Machtinteressen werden, stimmt für die Zukunft auch nicht optimistischer.
Jonas Schreyögg, Direktor des Hamburg Center for Health Economics:
Der neue große Krankenhauskonzern wird versuchen, die Einkaufspreise bei Arzneimitteln oder Medizintechnik zu senken. Wir wissen aus vergangenen Übernahmen, dass das erfolgreich sein wird.
Wir werden weitere Übernahmen von Konzernen untereinander sehen, da nur noch wenige kommunale Häuser zum Verkauf stehen und so schnell Wachstum generiert werden kann. Bisher gibt es keine Evidenz, die Befürchtungen zu zukünftigen Qualitätseinbußen stützen würde. Aber wir brauchen mehr Studien zur Entwicklung der Versorgungsqualität nach Übernahmen.
Peter Borges, Krankenhausberater:
Der erste echte Krankenhauskonzern in Deutschland ist geboren! Die Arbeit der Juristen und Finanzer ist getan, jetzt muss das Management zeigen, was man aus dieser großartigen Chance macht! In zwei Jahren werden wir es wissen.
Horst Imdahl, Geschäftsführer der Städtischen Kliniken Mönchengladbach:
Helios steht für 15 Prozent Rendite und einen Return on Invest von fünf Jahren. Da kann man nur ahnen, was auf die Beschäftigten und die Patienten zukommen wird. Und das ärztliche Ethos wird im Konzern wohl endgültig den kommerziellen Interessen geopfert werden müssen.


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