Es ist wieder so weit: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DGK) und ihre Mitgliedsverbände lassen die Muskeln spielen. In Kürze startet die DKG eine breit angelegte Informationsoffensive. Das Motto: "Wann immer uns das Leben braucht." Zielgruppe: Die Politik. Denn von ihr fühlen sich die Krankenhäuser schon seit längerem nicht mehr gut behandelt. Während die gesetzliche Krankenversicherung Überschüsse einfährt, kämpfen die Krankenhäuser mit den Folgen des gerade erzielten Tarifabschlusses und den durch das GKV-Finanzierungsgesetz auferlegten Kürzungen. Letztere machen allein 1,3 Milliarden Euro aus. "Ohne die Kürzungen könnten die Kliniken die Tarifsteigerungen halbwegs selbst finanzieren", sagt DKG-Präsident Alfred Dänzer. Zwar signalisiert die Regierungskoalition vor den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen Einsicht und will den Krankenhäusern nun doch einen Ausgleich — bis zu 300 Millionen Euro — für die Tarifsteigerungen geben, doch damit dürften sich die Häuser insgesamt nicht zufrieden geben.
Hohe Ansprüche der Patienten sind Treiber der Mehrmengen
Aber auch Dänzers Rechnung ist nur die halbe Wahrheit. Ein Teil der Krankenhäuser kompensiert seine Einnahmensverluste mit Leistungszuwächsen in der stationären Versorgung, die durch Morbidität und den demografischen Faktor allein nicht zu erklären sind. Sie behandeln mehr und zunehmend auch schwerere Fälle. Auffällig dabei ist, dass es sich insbesondere um drei Indikationen handelt, in denen die Mengensteigerungen stattfinden: Es sind Knie- und Hüftendoprothesen, Wirbelsäulen- sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Der Case-Mix (CM), also die Menge, ist zwischen 2006 und 2008 um 3,3 Prozent jährlich im Durchschnitt gestiegen. 1,5 Milliarden Euro der Krankenhausausgaben werden allein jährlich durch das Mengenwachstum in Häusern verursacht, rechnet der GKV-Spitzenverband vor. DKG-Präsident Dänzer weist den Eindruck der willkürlichen Mengensteigerungen entschieden zurück. Ein Grund für das Mengenwachstum sei vielmehr die gestiegene Anspruchshaltung der Patienten. Gerne wird in der Branche auch auf den Zusammenhang zwischen Einweisung durch ambulante Vertragsärzte und stationärem Aufenthalt verwiesen, "und dass die Patienten nicht vom Marktplatz ins Krankenhaus weggeholt werden", wie es DKG-Ehrenpräsident Rudolf Kösters auf dem DKG-Symposium im Februar formulierte.
Fakt ist aber auch: Es gibt überflüssige Operationen. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Markus Büchler, eröffnete in diesem Jahr den Chirurgenkongress mit der Aufforderung "sich unnötigen Operationen aufgrund wachsenden wirtschaftlichen Drucks zu widersetzen." Büchler macht leistungsorientierte Arztverträge für diese Entwicklung verantwortlich. "Wenn die Betten im Krankenhaus gefüllt werden müssen und der leistungsorientierte Vertrag des Oberarztes und Chefarztes über ihr Einkommen entscheidet, dann kommt es wohl in Einzelfällen vor, dass ein Bett in einer chirurgischen Klinik mit einem Patienten belegt wird, der unter Umständen diesen Eingriff nicht unbedingt benötigt." Es ist nicht das erste Mal, dass die Chirurgen auf ihrem Jahreskongress eine Kommerzialisierung in der Medizin anprangern. Bereits 2010 kritisierte der ehemalige DGCH-Präsident, Reiner Gradinger, denselben Sachverhalt. Mittlerweile, so scheint es, hat das Thema die Politik erreicht. Auch Gesundheitsminister Daniel Bahr verurteilt "Mehrmengen, die auf dem Rücken der Beschäftigen in den Krankenhäusern" ausgetragen werden.
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der kma-Ausgabe Mai.


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