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DRG-ReformNiedersachsen fordert einrichtungsorientierte Kostenerstattung

Der Bundesrat hat die Weiterentwicklung des DRG-Systems auf Antrag von Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz beschlossen. Eine einrichtungsorientierte und behandlungsnotwendige Kostenerstattung wird gefordert.

Kostenerstattung
Eva/stock.adobe.com

Symbolfoto

Der Bundesrat hat am 17. Dezember 2021 eine Entschließung zur Weiterentwicklung des DRG für eine zukunftsfähige Krankenhauslandschaft auf den Weg gebracht. Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz hatten einen entsprechenden Antrag gestellt, mit dem die Bundesregierung nun aufgefordert wird, das im Jahr 2003 in Deutschland eingeführte DRG-System umfassend zu reformieren.

Diagnosis Related Groups

Bereits seit 2004 werden akutstationäre somatische Behandlungen im Krankenhaus über den bundesweit einheitlichen Fallpauschalenkatalog (Diagnosis Related Groups, DRG) vergütet. Der Katalog umfasst aktuell insgesamt 1292 DRGs, wobei das Relativgewicht der einzelnen DRGs den durchschnittlichen Ressourcenaufwand für die Erbringung der einzelnen Leistungen abbildet.

Neben dem Landesbasisfallwert ist das Relativgewicht der einzelnen DRGs maßgeblich für die Höhe der Vergütung der Leistung verantwortlich. Die jeweilige DRG wird mit dem Landesbasisfallwert multipliziert, daraus ergibt sich der Gesamterlös für den einzelnen Behandlungsfall. Für die Höhe der Vergütung der erbrachten Leistung ist es somit irrelevant, ob die Behandlung in einer Spezialklinik, einem Krankenhaus der Regelversorgung oder durch einen Maximalversorger erfolgt.

Problematik

Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens betonte, eine qualitativ hochwertige und flächendeckende Versorgung der Menschen bei Krankenhausaufenthalten müsse selbstverständlich sein. Das aktuelle DRG-System gefährde dieses Ziel jedoch.

Zusätzliche Einnahmen könnten aktuell nur durch die Ausweitung von Fallzahlen oder die Erbringung höher vergüteter Leistungen generiert werden. Dies begründet Fehlanreize für die Leistungserbringer, die zu unnötigen Behandlungen oder zur Durchführung vermeidbarer, komplexerer und damit besser vergüteter Behandlungen führen könnten.

Dokumentationsaufwand als Hindernis

Das derzeitige System führe somit zu Versorgungslücken, da Leistungserbringer ihre Leistungen nicht ausreichend anböten. Grund hierfür sei die unzureichende und nicht kostendeckend vergütete Bezahlung von Leistungen, wodurch Patientensicherheit sowie die Arbeitsbedingungen des Personals gefährdet würden. Zusätzlich nehme der hohe Dokumentationsaufwand im Krankenhausabrechnungswesen rund 40 Prozent der Arbeitszeit von Leistungserbringern ein und stelle eine Schwierigkeit für die Personalrekrutierung dar.

Einrichtungsorientierte Kostenerstattung

Das Ziel müsse eine Vergütungsstruktur sein, die Leistungserbringer aus dem bestehenden Kreislauf löse und eine einrichtungsorientierte und behandlungsnotwendige Kostenerstattung ermögliche, welche die Ausgaben der Leistungserbringer decke.

Außerdem sollen die unterschiedlichen Kostenstrukturen bei der Ermittlung der Vergütung im DRG-System berücksichtigt werden. Für bedarfsnotwendige kleine ländliche Kliniken sowie für hochspezialisierte Leistungsbereiche und Bereiche mit nur wenigen Fällen sollte hierbei eine vom DRG-System unabhängige Finanzierung der Vorhaltekosten umgesetzt werden, um das Problem einer unzureichenden Finanzierung zu beheben.

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