Die Medikamententests westdeutscher Pharmahersteller in der DDR werden Ende Mai den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns beschäftigen. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Julian Barlen, kündigte eine Antragsinitiative der Regierungskoalition von SPD und CDU an. "Staaten, Pharmaunternehmen oder medizinische Einrichtungen, die Menschen gegen ihren Willen oder unwissentlich für medizinische Versuchsreihen benutzen beziehungsweise dies billigend in Kauf nehmen, handeln unethisch und menschenverachtend", sagte er. Die Koalitionsfraktionen fordern die Konzerne, die betroffenen Krankenhäuser und das Bundesministerium für Gesundheit auf, konsequent zur Aufklärung der Vorwürfe beizutragen.
Jahn: "Übler Deutsch-deutscher Deal"
Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat westliche Pharmakonzerne aufgefordert, ihre Archive zu öffnen. Dass westdeutsche Firmen Medikamente an DDR-Patienten hätten testen lassen, sei ein "übler deutsch-deutscher Deal" gewesen, sagte Jahn der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung "Die Zeit".
"Die Schuld beginnt dort, wo ich mich mit einem dubiosen Handelspartner einlasse", sagte der frühere DDR-Oppositionelle an die Adresse beteiligter Firmen. In der DDR habe es keine öffentliche Kontrolle gegeben. "Unternehmen nahmen also billigend in Kauf, dass in der DDR Menschen auf der Strecke blieben." Nun sollten sich die Firmen bei der Aufarbeitung auch "mit Geld beteiligen", sagte Jahn.
Er betonte: "Im Westen denkt man immer, die Diktatur war im Osten, ich habe damit nichts zu tun. Doch das Beispiel Pharmatests zeigt exemplarisch: Aufarbeitung ist eine gesamtdeutsche Angelegenheit." Auch wer im Westen gelebt habe, müsse sich fragen, ob er sich damals eingerichtet habe mit der Teilung und dem Unrecht in der DDR.
Laut "Spiegel" haben westliche Pharmakonzerne Hunderte Medikamente an fast 50 000 DDR-Patienten testen lassen.


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