Nachdem die Geschäftsleitung des Gesundheitskonzerns Fresenius/Helios überraschend 1.000 Beschäftigten der Zentralen Servicegesellschaft (ZSG) der Klinikgruppe Damp gekündigt hat, haben sich der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Rhön-Klinikum AG, Joachim Lüddecke, und der Konzernbetriebsratsvorsitzende der Rhön-Klinikum AG, Werner Prange, in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft Verdi geäußert. Sie bewerten das Verhalten von Fresenius/Helios insbesondere vor dem Hintergrund der geplanten Übernahme der Rhön-Klinikum AG durch die Helios-Kliniken GmbH.
Joachim Lüddecke, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG und Verdi-Funktionär in Niedersachsen:
"Der Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG hat in einer Stellungnahme zur geplanten Übernahme der Röhn-Klinikum AG durch die Helios-Kliniken GmbH ausdrücklich festgehalten, er teile die Auffassung der Bieterin Fresenius, 'dass der künftige Erfolg des zusammengeführten Unternehmens maßgeblich von der Kompetenz und dem Engagement der Mitarbeiter abhängig ist'. Aus Sicht des Rhön-Aufsichtsrats ist es für den Erfolg der Zusammenführung von Fresenius-Helios und Rhön-Klinikum dabei entscheidend, dass in dem Integrationsprozess die Kompetenz und das Engagement der Mitarbeiter durch Einbindung der Arbeitnehmer sowie ihrer Interessenvertretungen und der Gewerkschaften genutzt wird und dafür verbindliche Regelungen geschaffen werden. Dies sieht einen fairen Interessenausgleich vor, der durch die ausgesprochenen Kündigungen von Fresenius-Helios in Schleswig-Holstein allerdings grundlegend missachtet wird. Dies stellt gleichzeitig die Glaubwürdigkeit des Fresenius-Angebots für die geplante Übernahme massiv in Frage. Eine größere Einschränkung der Arbeitnehmerinteressen als eine Massen-Kündigung im Streik kann es nicht geben. Wir erwarten, dass Fresenius seiner Verpflichtung aus den Angebotsunterlagen nachkommt, damit die bei Rhön-Klinikum schon bislang im Rahmen der unternehmerischen Mitbestimmung gelebte Sozialpartnerschaft auch im Falle der Durchführung des Angebots erfolgreich fortgesetzt werden kann. Deshalb müssen die offenkundig rechtswidrigen Kündigungen bei der Helios-Tochter Damp umgehend zurückgenommen werden."
Werner Prange, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Rhön-Klinikum AG:
"Als Vorsitzender des Konzernbetriebsrates und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat habe ich so etwas bei der Rhön-Klinikum AG bisher nicht erlebt. Im Rahmen eines gegebenenfalls anstehenden Fusionsprozesses zwischen der Helios-Kliniken GmbH und der Rhön-Klinikum AG stelle ich mir das 'Mitnehmen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer' in den Entstehungsprozess des größten deutschen Gesundheitskonzerns deutlich anders vor, als das Vorgehen der potentiellen Geschäftsführung einer Helios-Rhön-Kliniken AG. Angesichts der Kündigung von 1.000 Beschäftigten bei der Zentralen Service GmbH der Damp Gruppe im Rahmen eines auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ausgetragenen Tarifkonfliktes, frage ich mich, wie man das Engagement der von einer Fusion betroffenen Beschäftigten gewinnen will. Wer ist schon bereit, seine Kompetenzen in ein Unternehmen einzubringen, das so mit seinen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern umgeht?"
In der Nacht auf Donnerstag läuft die Frist für die Aktionäre der Rhön-Kliniken ab, ihre Anteile an den Gesundheitskonzern Fresenius zu verkaufen. Die Übernahme steht auf Messers Schneide.


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