Gleichzeitig kritisieren sie die gegenwärtige Konzernpolitik beim inzwischen größten privaten Anbieter für Rehabilitationsleistungen in Deutschland. Die Verfasser der Solidaritätsbotschaft vertreten bundesweit die Interessen von rund 150.000 Beschäftigten aus über 200 Betrieben. Die Median-Geschäftsführung hatte nahezu alle Tarifverträge gekündigt und gegenüber der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) im Mai erklärt, keine Tarifverträge mehr abschließen zu wollen.
Betriebsräte: „Eines Unternehmens mit Marktführeranspruch unwürdig“
Die Konzernbetriebsräte reagieren darauf nun mit scharfer Kritik: Median habe ausschließlich Gewinnmaximierung im Blick, nicht die Beschäftigten und Patienten. Außerdem heißt es in der Erklärung, „die aggressive Vorgehensweise der Konzernleitung und lokalen Klinikleitungen gegenüber engagierten Betriebsräten ist nicht akzeptabel“. Der Median-Konzern übt zurzeit auf die Betriebsräte massiv Druck aus, die Einkommen nicht mehr über Tarifverträge, sondern über örtliche Betriebsvereinbarungen zu regeln. Nur ein Teil der Berufsgruppen erhält nach diesen Vereinbarungen mehr Lohn. Damit werden die Beschäftigten gegeneinander ausgespielt, so die Konzernbetriebsräte. Außerdem würde den Beschäftigten mit Sanktionen gedroht, wenn sie den Abschluss von Vereinbarungen mit der Geschäftsführung kritisieren. Zudem gehe Median derzeit gegen die Betriebsratsvorsitzende in Bad Camberg mit juristischen Mitteln vor. „Dies alles ist eines Unternehmens im Gesundheitswesen mit Marktführeranspruch unwürdig“, heißt es in der Erklärung. Durch den Zusammenschluss mit den RHM Kliniken und Pflegeheimen und dem Kauf der Klinikgruppe Allgemeine Hospitalgesellschaft Ende Juli 2016 besitzt Median bundesweit über 120 Einrichtungen mit rund 15.000 Beschäftigten. Seit der Übernahme durch den niederländischen Private Equity Fonds Waterland im Dezember 2014 fährt Median einen aggressiven Wachstums-, Verschlankungs- und Sparkurs.
Swoboda begrüßt "Beschäftigung fremder Konzernbetriebsräte mit unseren Ideen"
Auf kma-Nachfrage kommentierte Kai Swoboda, COO der Median Kliniken, den Schulterschluss der Betriebsräte folgendermaßen: „Wir kommen sehr gut in den Einzelverhandlungen mit unseren Betriebsräten voran. Für uns ist die Solidaritätserklärung von Verdi der Versuch, den zunehmenden Verlust an Rückhalt in unserer Belegschaft wettzumachen. Wir denken, dass auch andere Klinikkonzerne unserem Modell folgen könnten und werten die Beschäftigung fremder Konzernbetriebsräte mit unseren Ideen deshalb auch als Anerkennung unseres erfolgreichen Wegs.“


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