Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) rechnete vor, dass die Einkommen niedergelassener Ärzte weiter deutlich zugelegt hätten. In diesem Jahr werde jeder Praxisinhaber im Schnitt einen Reinertrag von 164.000 Euro verbuchen.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wies die Zahlen am Donnerstag als populistisch und nicht nachvollziehbar zurück. Forderungen nach einer Minusrunde lehnten die Ärztevertreter ab. Nach internen Berechnungen des GKV belief sich der Einkommens- Zuwachs seit 2003 um 30 Prozent auf ein Durchschnittseinkommen von 164 000 Euro in diesem Jahr. Das sind 22.000 Euro mehr als 2007, wie aus den Unterlagen hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegen und über die die "Berliner Zeitung" sowie die "Frankfurter Rundschau" (Donnerstag) berichteten.
Der Reinertrag der Ärzte ist laut Krankenkassen in etwa mit dem Bruttogehalt von Angestellten vergleichbar. Die Mediziner müssen ebenfalls noch Steuern zahlen sowie Beiträge für die Altersvorsorge und Krankenversicherung. Bereits abgezogen seien Ausgaben für Personal, Miete, Betriebskosten sowie für Kreditzinsen. Der Gewinn je Arztpraxis könnte noch höher sein als vom GKV- Verband berechnet, da ein mögliches Einnahmeplus aus der Behandlung von Privatpatienten nicht berücksichtigt wurde. Dies fällt von Region zu Region äußerst unterschiedlich aus. Nicht berechnet hat der Verband, wie sich das Einkommen auf die Arztgruppen verteilt.
Ein KBV-Sprecher sagte auf Anfrage: "Es ist sehr populistisch, irgendwelche Bruttozahlen, die nicht erklärbar sind, in den Raum zu stellen." Niedergelassene Ärzte seien zudem keine Angestellten, sondern mittelständische Unternehmen. Die KBV verwies auf andere Berechnungen. Danach ergebe sich ein durchschnittliches Bruttohonorar von 174 000 Euro, wenn alle Umsätze aus vertragsärztlicher Tätigkeit zusammen addiert würden. Davon müssten aber rund 102.000 Euro Betriebskosten abgezogen werden. Netto verblieben dann je Praxis im Schnitt 2400 Euro.
Von den etwa 100 000 Arztpraxen in Deutschland könne etwa ein Drittel gar keine Rücklagen bilden, hieß es bei der KBV weiter. Sollten diese wegfallen, könne die ambulante Versorgung nicht auf dem bisherigen Niveau aufrechterhalten werden. Schon die Honorarreform von 2009 habe noch nicht den kompletten Mehrbedarf decken können.
Der GKV-Verband geht davon aus, dass die Honorarsumme in diesem Jahr auf 32,1 Milliarden Euro steigt nach 30,9 Milliarden im Jahr 2009 und 28,8 Milliarden im Jahr 2008. Laut dem Verband wird die Schere zwischen beitragspflichtigen Einkommen gesetzlich Versicherter und Arzthonoraren 2010 weiter auseinandergehen. Die Gesamtvergütung der Ärzte werde seit 1998 um 43 Prozent gestiegen sein. Die Grundlohnsumme dagegen werde im selben Zeitraum um 15 Prozent zulegen.
Die Berechnungen kommen den Zeitungsangaben zufolge jenen gelegen, die angesichts des Milliardendefizits im Gesundheitsfonds 2011 eine Nullrunde für Ärzte fordern.




Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen