Zwei Prozent mehr mussten die deutschen Krankenhäuser zuletzt für Personal und Sachausstattung als im Jahr zuvor. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt und dafür die Kostenentwicklung im Zeitraum von Juli 2011 bis Ende Juni 2012 erfasst. Die Personalkosten legten demnach im betreffenden Zeitraum um 1,9 Prozent zu, die Sachkosten etwas stärker um 2,2 Prozent. Dieser auch "Orientierungswert" genannte Index für die Kostenentwicklung wurde jetzt zum ersten Mal erarbeitet und veröffentlicht. Er soll künftig als Steuerungsgrundlage für die Ausgaben der Kassen für die Krankenhausbehandlung dienen.
Zwei Prozent decken nicht einmal die Inflationsrate
Kritik kam von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Der ermittelte Orientierungswert sei mit zwei Prozent weit weg von der tatsächlichen Kostenbelastung, die Krankenhäuser aktuell und im kommenden Jahr hätten. "Die Krankenhäuser brauchen Preiserhöhungsspielräume, die die Kostenbelastung in 2013 realistisch widerspiegeln", sagte DKG-Präsident Alfred Dänzer. Zwei Prozent deckten nicht einmal die Inflationsrate ab. "Ohne Hilfe des Gesetzgebers droht den Krankenhäusern in 2013 eine Finanzierungskatastrophe", sagte Dänzer.
GKV: Schreckensbild fern der Realität
Der GKV-Spitzenverband wies die Kritik zurück. "Die Krankenhausgesellschaft malt ein Schreckensbild an die Wand, welches fern der Realität ist", sagte Sprecher Florian Lanz. Der Orientierungswert zeige, dass die tatsächlichen Kostensteigerungen der Kliniken viel geringer seien als behauptet.
Zuletzt schaltete sich der Interessenverband kommunaler Krankenhäuser (IVKK) in die Debatte ein und forderte Bundesminister Daniel Bahr auf, den Orientierungswert als Richtgröße für die Krankenhausfinanzierung 2013 anzuheben. Der IVKK-Vorsitzende Bernhard Ziegler nannte den gerade ermittelten Wert von 2 Prozent eine "bürokratische Fehlleistung". Er lasse die tariflichen Kostensteigerungen für Krankenhäuser außer Acht, die in dem von der Politik festgelegten Berechnungszeitraum zufällig nicht enthalten seien. Diesen "Flüchtigkeitsfehler" müsse das Gesundheitsministerium aber ausbügelt, sagte Ziegler.
Bislang war die Ausgabensteigerung für Klinikleistungen an die Einnahmenentwicklung der GKV gekoppelt und bemaß sich an der Entwicklung der Summe aller beitragspflichtigen Löhne und Gehälter ("Grundlohnsummen-Koppelung"). Im Gegensatz dazu soll der Orientierungswert nach dem Willen der Bundesregierung der tatsächlichen Kostenentwicklung der Kliniken Rechnung tragen. Er wird aus bereits vorhandenen statistischen Daten wie der Verdiensterhebung, der Preisentwicklung und dem Kostennachweis der Krankenhäuser errechnet. Politisch auf den Weg gebracht worden war die Ablösung der Grundlohnorientierung zugunsten des Orientierungswerts im Jahr 2010 mit dem Krankenhausfinanzierungsreformgesetz (KHRG).


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