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DGIV-Bundeskongress

Tecklenburg und Pfeiffer über Hochschulambulanzen uneins

Auf dem DGIV-Bundeskongress lieferten sich GKV-Chefin Doris Pfeiffer und Andreas Tecklenburg einen unterhaltsamen Schlagabtausch. Der Innovationspreis der Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen (DGIV) ging an Henriette Neumeyer (Philips).

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Alfred Holzgreve (DGIV) gratuliert Henriette Neumeyer zum DGIV-Innovationspreis 2016.

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Doris Pfeiffer: Moniert den Irrgarten bei der Abrechnung ambulanter Leistungen.

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Andreas Tecklenburg: Würde das SGB V gerne entrümpeln.

Das Krankenhausstrukturgesetz und die Integrierte Versorgung standen beim 13. DGIV-Bundeskongress im Vordergrund. Doris Pfeiffer, Chefin des GKV-Spitzenverbands, präsentierte Zahlen zum Innovationsfonds, der in vier Jahren insgesamt 1,2 Milliarden Euro für Projekte zur Verfügung stellt.

 

Innovationsfonds: 210 Millionen Euro bereits ausgeschöpft

Derzeit, so Pfeiffer sind 29 Förderbescheide erteilt worden, mit einem Volumen von 210,7 Millionen Euro. Nur eines der 29 Projekte sei ohne Beteiligung einer Krankenkasse. Pfeiffer betonte, dass alle geförderten Projekte eine realistische Perspektive haben, in die Regelversorgung zu kommen. Das ist Födervoraussetzung. „In ein bis zwei Jahren sind wir einen Schritt weiter“, resümierte Pfeiffer. 2015 haben Kassen laut Pfeiffer 2015 rund 1,6 Milliarden Euro in die Integrierte Versorgung investiert.

Die GKV-Chefin unterstrich in ihrem Vortrag, dass  an der Schnittstelle ambulante und stationäre Versorgung ein Irrgarten an Regelungen zur Abrechnung entstanden sei (zum Beispiel Paragraphen 115, 116, 120, 137, 140 des SGB V), der die sektorenübergreifende Versorgung behindere. Eine Bedarfsplanung oder eine gezielte Steuerung der Leistungen an dieser Schnittstelle sei so nicht möglich.

 

Tecklenburg: Selbstverwaltung hat große Chance verpasst

Andreas Tecklenburg, Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover, folge Pfeiffer als Redner und bezog sich sofort auf Pfeiffers Aussagen. Wäre er Gesundheitsminister, würde er die Anzahl der Paragraphen des SGB V um 50 Prozent reduzieren, wetterte der Klinikmanager. Die ideologische Verbrämung im Gesundheitswesen führe dazu, dass die Transaktionskosten ständig steigen und weniger Geld für die Versorgung bleibe. „Bei uns in den Ambulanzen heißt es intern: ‚Auf welchem Ticket kommt der Patient?‘ Wir haben extrem viel Aufwand bei der Abrechnung ambulanter Patienten.“ Als Chef einer Uniklinik bezog sich Tecklenburg in seinem Vortrag explizit auf die Hochschulambulanzen und monierte, dass die Selbstverwaltung im Rahmen des GKV-Versorgungsstärkungsgesetz eine große Chance verpasst habe, diesen Abrechnungsirrgarten abzuschaffen.

Der Gesetzgeber hat den Hochschulambulanzen jährlich 256 Millionen Euro zugestanden, doch die nun zwischen Kassen-, Ärzte- und Krankenhauslobby ausgehandelte Regelung ist für Tecklenburg unbefriedigend. „Wir hatten die Chance, diesen kleinen Bereich besser zu regeln“, so Tecklenburg. Die Defizite der Hochschulambulanzen trügen die Länder, ergänzte der MHH-Vize, und es sei deshalb durchaus möglich, dass der Gesetzgeber diese Einigung der Selbstverwaltung noch „kassiert“.

 

Pfeiffer über Leistungserbringer: „Sie scheuen Transparenz wie der Teufel das Weihwasser“

Pfeiffer reagierte: Mit den 256 Millionen bekämen die Hochschulambulanzen nun 50 Prozent mehr Geld als bisher, das sei ein beträchtliche Mehreinnahme. Sie betonte, die Regelung dieses Bereichs sei deshalb so schwierig, weil die Informationen fehlten, was die Hochschulambulanzen genau machen. „Wir wissen nichts“, so Pfeiffer. Leistungserbringer „scheuen Transparenz wie der Teufel das Weihwasser“, so die oberste Kassenvertreterin weiter. Die nun vereinbarte Evaluation der Leistungen in der Hochschulambulanz trage diesem Mangel an Information Rechnung.

 

Innovationspreis für zukünftige Philips-Beraterin

Den DGIV-Innovationspreis erhielt Henriette Neumeyer. In ihrer Masterarbeit beschreibt sie ein Geschäftsmodell für Medtech-Unternehmen, die im Rahmen des Paragraphen 140a SGB V Kassenleistungen anbieten wollen. „Es ist eine Blaupause – unabhängig von einem Produkt“, erklärte die Absolventin, die seit heute als Strategieberaterin beim Medizintechnikriesen Philips angestellt ist.

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