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Kommunale Kliniken in HessenWenig Lust auf den großen Verbund

Das Land Hessen will 43 öffentliche Kliniken in einer Management-Holding zusammenfassen. Doch viele von ihnen wollen lieber eigenständig bleiben.

Die Pläne des hessischen Sozialministers Stefan Grüttner (CDU) für einen landesweiten Zusammenschluss kommunaler Krankenhäuser finden bei vielen der betroffenen Einrichtungen offenbar wenig Akzeptanz. Dies berichtet die Ärzte-Zeitung. Derzeit sind es 13 Träger, die sich für das Holding-Konzept interessieren und die vom Land bewertet werden, ob sie sich für einen solchen Verbund eignen würden.

Nach dem Willen der Landesregierung sollen einzelnen Kliniken als wirtschaftliche Einheit in einer Management-Holding zusammengefasst werden, die das operative Geschäft erledigt. Größere Einheiten, so Grüttners These, seien effektiver und wirtschaftlicher und stellten damit eine gute Alternative zu Privatisierungen dar. Ein Zweckverband soll dafür sorgen, dass die Kliniken ihren Versorgungsauftrag erfüllen, und eine Stiftung soll sich darum kümmern, dass die Entscheidungen, die im Verbund getroffen werden, weitgehend frei von politischen Einflüssen sind.

Grüttners Holding-Pläne bereiten einer ganzen Reihe von Kommunalpolitikern und Klinikchefs offenbar Bauchschmerzen, heißt es in dem Bericht weiter. Sie fürchten um ihre Eigenständigkeit. Und sie fürchten, dass Kliniken, die wirtschaftlich gut da stehen, für die, denen es schlechter geht, bezahlen müssen.

An Alternativen zu Grüttners Konzept fehlt es deshalb offenbar nicht. Es vergeht kein Monat, in dem nicht Häuser, die bislang erbitterte Konkurrenten waren, regionale Kooperationsvereinbarungen treffen - immer sehr darauf bedacht, ihre Eigenständigkeit zu erhalten. Jüngstes Beispiel ist die Ankündigung der Krankenhäuser in Darmstadt, Dieburg und Groß-Umstadt, Gespräche über eine Zusammenarbeit aufzunehmen. Beliebt sind auch Verbünde mit Gleichgesinnten: Beispielsweise haben sich 34 Akut- und Rehakliniken in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft zum Klinikverbund Hessen zusammengetan.

Um das Zepter nicht aus der Hand geben zu müssen, werden sogar die Landesgrenzen ignoriert, an der hessischen Bergstraße zum Beispiel. Dort kooperieren einige Kliniken mit Unikliniken im benachbarten Baden-Württemberg. Ähnlich in Hanau: Dort entschied sich SPD-Oberbürgermeister Claus Kaminsky Anfang Juli für eine Kooperation mit Krankenhäusern in Bayern - und damit gegen die Holding des Landes: Er bevorzugt nach eigenen Angaben die Kooperation mit Kliniken, die ähnlich gute ökonomische Voraussetzungen haben.

Der Klinikverbund "Clinotel" geht noch einen Schritt weiter. In ihm haben sich öffentliche und frei-gemeinnützige Kliniken, die nicht in Konkurrenz zueinander stehen, zusammengeschlossen. Elf Kliniken aus Hessen sind dort Mitglied. Sie bleiben rechtlich und organisatorisch selbstständig, tauschen aber intime Daten wie Qualitätskennzahlen und Sterblichkeitsraten aus. Ziel ist, Synergien zu nutzen, etwa bei der Qualitätssicherung oder bei der Abrechnung. "Wir sind eine gute Alternative zu privaten Ketten, die ja auch zentrale Dienstleistungen oder ein Benchmarking anbieten", sagt "Clinotel"-Geschäftsführer Udo Beck. Es gehe darum, die Wettbewerbsfähigkeit der Krankenhäuser zu verbessern. Damit ist der Verbund gar nicht so weit weg von dem Ziel, das sich auch Hessens Sozialminister zum Ziel gesetzt hat. Aufgenommen werden in den "Clinotel"-Verbund allerdings nur wirtschaftlich gut aufgestellte Kliniken: "Es geht darum, von den Besten zu lernen", so Beck.

Die Chancen für die Umsetzung von Grüttners Modell stehen schlecht, wenn der Trend im Land weiter dahin geht, dass sich gut aufgestellte Häuser starke Partner suchen.
Nur mit wirtschaftlich schwachen Häusern lässt sich ein überregionaler Klinikkonzern nicht stemmen.

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