Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG
Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG

Zahlen zum ÄrztemangelWieviele Ärzte gibt es?

Viele Landärzte finden keinen Nachfolger für ihre Praxis. Dabei steigt die Zahl der niedergelassenen Mediziner seit Jahren.

Ein Widerspruch? Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will das Problem nun angehen. Er schlug erleichterten Zugang zum Medizinstudium durch Verzicht auf den Numerus clausus und die Einführung einer "Landarztquote" für Medizinstudenten vor. Kann das die Not lindern?

Wieviele Ärzte gibt es?

Bundesweit sind 138 330 Ärzte (Stand: 2008) ambulant tätig. Im Jahr 2000 waren es 128 488, im Jahr der deutsche Einheit 1990 betrug die Zahl noch 92 289. Die Arztdichte pro 10 000 Einwohner erhöhte sich zwischen 1990 und 2007 von 29,8 auf 38,3. Die Gesamtzahl der Ärzte in Deutschland legte zwischen 1990 und 2008 um knapp 82 000 oder ein Drittel auf 320 000 zu. Die Ärztelobby malte jahrelang das Gespenst einer "Ärzteschwemme" an die Wand.

Wieviele Arztpraxen gibt es?

2008 gab es 90 414 Arztpraxen, vier Jahre zuvor waren es 95 761. Hinzu kommen die medizinischen Versorgungszentren, in denen Ärzte mehrerer Fachrichtungen zusammenarbeiten. Innerhalb von fünf Jahren stieg deren Zahl von 121 auf 1 257 (Stand: 1. Quartal 2009).

Warum gibt es trotzdem Ärztemangel?

Die Verteilung der Ärzte stimmt nicht mehr. Junge Mediziner lassen sich nach dem Studium vorzugsweise nicht dort nieder, wo sie am meisten gebraucht werden, sondern dort, wo sie persönlich leben möchten. Beliebt sind Regionen mit vielen Privatpatienten. Eine Praxis in Gebieten mit vielen, vor allem älteren Kassenpatienten erscheint dagegen unattraktiv: Lange Arbeitszeiten, vergleichsweise bescheidenes Einkommen. Wegen besserer Bedingungen gehen Jungmediziner auch vermehrt ins Ausland oder in die Industrie, die gezielt um Ärzte wirbt.

Was verschärft die Situation?

In den nächsten zehn Jahren gehen nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gut 58 000 niedergelassene Mediziner in den Ruhestand. Die KBV und ihre Regional-Verbände sind für die Verteilung der Ärztehonorare zuständig. Im Gegenzug sind sie verpflichtet, die ausreichende, flächendeckende medizinische Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Dies gelingt immer unzureichender.

Wo ist die Not am größten?

Nach der KBV-Statistik gibt es schon heute mehr als 3600 freie Arztsitze, mehr als die Hälfte davon sind Hausarztpraxen. Das Hausärzte-Defizit ist besonders groß in Niedersachsen (678) und im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen (493). In Sachsen-Anhalt könnten sich 248, in Mecklenburg-Vorpommern 112 und in Thüringen 104 Allgemeinmediziner sofort niederlassen. An Krankenhäusern sind derzeit 5000 Arztstellen nicht besetzt.

Was wird bisher gegen den Mangel unternommen?

Bereits heute versuchen die Länder in Kooperation mit den Kassenärztlichen Vereinigungen, durch günstige Kredite oder Startfinanzierung Ärzte aufs Land und in kleinere Städte zu locken. Bis zu 50 000 Euro winken Medizinern, die sich in unterversorgten Regionen niederlassen. In Sachsen bekommen Medizinstudenten bereits heute eine Studienbeihilfe von bis zu 600 Euro monatlich, wenn sie sich verpflichten, nach dem Examen als Landarzt tätig zu sein.

Kann Rösler den Numerus clausus verändern?

Nein. Dafür sind allein die Länder zuständig. Außerdem ist die Zahl der Medizinstudienplätze abhängig von den Vorgaben der Approbationsordnung, wie Gruppengrößen und Praktika während der Ausbildung. Anfang der 90er Jahre und zuletzt 2002 hatten die Länder auf Druck von Ärztelobby und Hochschulen wegen der angeblichen "Ärzteschwemme" über 20 Prozent der Studienanfängerplätze in Humanmedizin gestrichen. Auf einen freien Studienplatz kommen derzeit 4,4 Bewerber. Rund 10 000 junge Menschen haben 2009 ein Medizinstudium begonnen.

Sortierung
  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Jetzt einloggen