
Der Medscape Gehaltsreport 2021 dokumentiert erstmalig , wie die Corona-Krise das Einkommen von Medizinerinnen und Medizinern verändert hat. An der Umfrage nahmen rund 700 in Deutschland lebende Ärztinnen und Ärzte teil, etwa die Hälfte davon arbeitet in der Klinik. Sie beantworteten im Kontext der Corona-Pandemie zwischen November 2020 und Februar 2021 einen ausführlichen Online-Fragbogen mit Fokus auf Themen rund um Geld und Gehalt.
Über ein Drittel der an der Umfrage Teilnehmenden hat im Jahr 2020 weniger verdient als vor der Pandemie. Als Grund für die Einschnitte erachteten rund neun von zehn Befragten die Krise an sich.
Für beinahe die Hälfte aller Ärztinnen und Ärzte ist das Einkommen während der Pandemie allerdings gleichgeblieben. Jede/r sechste konnte sich sogar über eine Steigerung von 10 Prozent freuen. Allerdings offenbaren die Ergebnisse der Medscape Umfrage deutliche Unterschiede zwischen Klinik und Praxis: Mussten unter den Niedergelassenen 52 Prozent Einbußen verkraften, waren es nur 17 Prozent der Klinik-Angestellten.
Bonuskürzungen und Abnahme von IGeL-Leistungen
Viele Ärzte waren durch Corona gezwungen, zusätzlichen Aufwand zu betreiben. Niedergelassene gaben zum Beispiel laut Umfrage durchschnittlich 2400 Euro für Schutzkleidung aus. Fast alle (92 Prozent) boten in den ersten Wellen der Pandemie auch Corona-Tests an, bei denen aber 4 von 10 Ärzten draufzahlten.
"In den Kommentaren nannten Umfrageteilnehmer auch Bonuskürzungen, Abnahme der Privatliquidationen und IGeL-Leistungen, Praxisschließungen aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen sowie Überstunden als Gründe für die finanziellen Einbußen", erläutert Claudia Gottschling, Editorial Director von Medscape Deutschland.
28 Prozent der Ärztinnen und Ärzte, die im Zuge der Pandemie einen Einkommensverlust hinnehmen mussten, glaubten, dass sie in einem Jahr wieder ihr altes Lohn-Niveau erreicht haben werden. Beinahe jede/r zweite Befragte schätzte, dass dies eher zwei bis drei Jahre dauern wird.
Große Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Über alle Fachrichtungen hinweg verdienten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland im Durchschnitt vor Steuern 150 000 Euro pro Jahr. Allerdings wichen einige Gruppen erheblich von diesem Mittelwert ab. Der größte Unterschied fand sich zwischen in Vollzeit tätigen Männern und Frauen: Letztere verdienten fast 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. So lag der Jahresverdienst von Ärzten im Schnitt bei 161 000 Euro. Ärztinnen verdienten dagegen durchschnittlich nur 114 000 Euro im vergangenen Jahr.
Außerdem verdienten Hausärzte im Mittel 17 000 Euro mehr im Jahr als Kollegen, die fachärztlich tätig sind. Konkret lag der Jahresverdienst von Hausärzten durchschnittlich bei 164 000 Euro während der Verdienst von Fachärzten bei 147 000 Euro lag.
Noch größer war die Einkommens-Diskrepanz zwischen Niedergelassenen und Klinik-Angestellten: Wer in einer Praxis arbeitet hatte am Jahresende im Schnitt 28 000 Euro mehr auf dem Konto. So zeigte sich, dass der Jahresverdienst von Praxisärzten im Schnitt 169 000 Euro, der Verdienst von Klinikärzten dagegen 141 000 Euro betrug.
Ein weiterer Unterschied im Einkommen war mit Blick auf das Alter der Ärztinnen und Ärzte feststellbar. Während Ärzte über 45 im Mittel 160 000 Euro im Jahr 2020 verdienten, wurden ihre Kollegen unter 45 mit durchschnittlich 102 000 Euro entlohnt.
Mehrheit fühlte sich nicht fair bezahlt
Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der befragten Ärztinnen und Ärzte fühlte sich nicht fair bezahlt. Dieser Wert rangiert in den Medscape Gehaltsreports bereits seit mehreren Jahren auf ähnlich traurigem Niveau. Daran hat auch die Pandemie nichts geändert. Dabei zeigten sich Frauen mit der Bezahlung häufiger unzufrieden (65 Prozent) als Männer (55 Prozent).
Klar erkennbare Unterschiede fanden sich auch beim Vergleich von Niedergelassenen mit Klinik-Angestellten: In einem Krankenhaus-Job fiel der Frust etwas geringer aus als im Durchschnitt. Dort fühlten sich nur 52 Prozent der Ärzte nicht fair bezahlt, in der Praxis hingegen 64 Prozent der Ärztinnen und Ärzte.
Die Durchschnittliche Arbeitszeit der befragten Ärztinnen und Ärzte lag bei rund 52 Stunden pro Woche. Dabei waren die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sowie Kliniken und Praxen sehr gering.
Helfen als Faktor für Jobzufriedenheit
Doch für viele der Befragten war die Summe auf dem Gehaltszettel auch in Krisenzeiten nicht die wichtigste Anerkennung für die geleistete Arbeit: Nur 2 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer gaben an, dass es ihnen die größte berufliche Zufriedenheit verschafft, viel Geld zu verdienen.
Die höchste Jobzufriedenheit generierte auch in der Pandemie das Gefühl, Menschen helfen zu können. Die Freude am Beruf minderten hingegen insbesondere die vielen Richtlinien bei Verwaltung und Abrechnung. 43 Prozent nannten diese in der Medscape Umfrage als größte Herausforderung. Hingegen betrachteten nur etwa 4 Prozent der Ärztinnen und Ärzte die Risiken bei der Behandlung von Covid-19-Patienten als Herausforderung.
Lediglich 7 Prozent vergaben Termine online. Nur jede/r Fünfte meinte, dass die neuen, digitalen Möglichkeiten mehr Einkünfte bringen.





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