Georg Thieme Verlag KG

BetriebsergebnisAOK beendet erstes Halbjahr 2021 mit Milliarden-Defizit

Aus den ersten sechs Monaten im Jahr 2021 geht die AOK-Gemeinschaft mit einem Defizit von 1,6 Milliarden Euro. Der AOK-Vorstand erwartet keine Entlastung im Hinblick auf das zu erwartende strukturelle Defizit auch im zweiten Halbjahr.

Finanzen
DoubletreeStudio/stock.adobe.com

Symbolfoto

Bei der AOK läuft es aktuell unrund, zumindest wenn man sich die Finanzergebnisse des ersten Halbjahres 2021 anschaut. Ein Defizit von 1,6 Milliarden Euro wird hier unterm Strich ausgewiesen. Und es ist keine Besserung in Sicht. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jens Hoyer, erwartet keine Entlastung im Hinblick auf das zu erwartende strukturelle Defizit im kommenden Jahr.

Die Ausgaben seien um 5,6 Prozent angestiegen. Isoliert betrachtet, liege der Anstieg im 2. Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei knapp 10 Prozent. Jens Hoyer erklärt die Situation durch einen starken Einbruch der Inanspruchnahme von Leistungen in vielen Versorgungsbereichen infolge der ersten Pandemiewelle im 2. Quartal 2020. Der Rückgang von Behandlungen und Operationen im ersten Quartal wirkte sich noch positiv auf die Finanzergebnisse der Kassen aus. Nun kehre sich dieser Trend wieder um, erklärt Hoyer: "Eine Normalisierung des Leistungsgeschehens führt im isolierten zweiten Quartal 2021 zu teils zweistelligen Veränderungsraten nach oben."

Sorgenvoller Blick in die Zukunft

Diese Entwicklung bereitet der AOK Sorgen, da allein die AOK-Gemeinschaft mit einem Fehlbetrag von rund vier Milliarden Euro Ende 2021 rechnet, so Hoyer. Im zweiten Halbjahr 2021 sei eine deutliche Steigerung der Leistungsausgaben zu erwarten.

Jens Hoyer schaut besorgt in die Zukunft: "Neben der weiteren Normalisierung des Leistungsgeschehens werden sich beispielsweise die hohen Abschlüsse durch die bundesweiten Schiedsverfahren im Heilmittelbereich auf die Finanzergebnisse der Kassen auswirken und zu negativen Ergebnissen führen. Bei den Arzneimittel-Ausgaben wird sich die entfallene Entlastung durch die Wieder-Anhebung der Mehrwertsteuer deutlich bemerkbar machen. Hinzu kommt der erzwungene Vermögensabbau der Krankenkassen. Die Rücklagen der gesetzlichen Krankenkassen sind dann aufgezehrt, hier gibt es nichts mehr zu holen."

Die Situation würde durch Forderungen der Leistungsbringer verschärft. Laut Hoyer stellen die Vertreter der Ärzteschaft und der Krankenhäuser in den aktuell laufenden Vergütungsverhandlungen zusätzliche Forderungen in Milliardenhöhe. Die Kassen lehnen diese wegen der angespannten Finanzsituation und mit Blick auf die Beitragssatz-Stabilität ab.

Hoyer: "Schon ohne diese zusätzlichen Belastungen rechnen wir im nächsten Jahr – vor allem aufgrund der teuren Gesetze der letzten Jahre – mit einem GKV-Defizit, das den zusätzlichen Bundeszuschuss in Höhe von sieben Milliarden Euro deutlich übersteigen wird. Gleichzeitig hat die Politik aber zugesagt, die Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes auf 1,3 Prozent zu begrenzen. Um dieses Versprechen einzuhalten, muss die Große Koalition auf Grundlage der jetzt vorliegenden Halbjahres-Ergebnisse und der Defizit-Prognose noch vor der Wahl durch Erlass einer Rechtsverordnung die Höhe des zusätzlichen Bundeszuschusses für das Jahr 2022 festlegen. Ansonsten drohen spätestens zum Jahreswechsel Beitragssatzanhebungen auf breiter Front."

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!