Ursache Niedrigzinsen

Beitragserhöhungen bei PKV und BU-Versicherung

Im Gesundheitswesen steigen regelmäßig die Kosten im Zuge des medizinischen Fortschritts. Die historisch niedrigen Zinsen stellen aber für die hoch kapitalisierten Versicherungsgesellschaften eine weitere Herausforderung dar.

Fotomontage: hohojirozame (Fotolia), ccvision

Sowohl die privaten Krankenversicherungen als auch die Berufsunfähigkeitsversicherungen mussten ihre Beiträge in 2017 teils deutlich anheben. Neben den regelmäßig steigenden Kosten im Gesundheitswesen im Zuge des medizinischen Fortschritts im Bereich Therapie und Diagnostik zeichnet sich in diesem Jahr ein weiteres Problem ab. Die historisch niedrigen Zinsen stellen auch für die hoch kapitalisierten Versicherungsgesellschaften eine Herausforderung dar. Die Folge sind höhere Kosten für Verbraucher.

Versicherer nehmen Beiträge in Höhe von vielen Milliarden ein. Für das vergangene Jahr 2016 betragen die Bruttobeitragseinnahmen der gesamten Versicherungsbranche laut dem GDV mehr als 194 Milliarden Euro, ein Plus von 0,2% im Vergleich zum Jahr 2015. Der PKV Verband meldet Beitragseinnahmen für die Private Krankenversicherung in Höhe von 37,2 Milliarden Euro. 86,6 Milliarden entfallen auf die Lebensversicherer, darunter auch die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sowohl für das aktuelle Jahr 2017 als auch für 2018 werden steigende Beitragseinnahmen prognostiziert.

Sinkende Überschüsse der Versicherer im Zeichen niedriger Kapitalmarktzinsen

Einen Großteil der Einnahmen investieren Versicherer in verzinsliche Wertpapiere auf dem Kapitalmarkt und generieren damit ihre Überschüsse. Je höher die Kapitalmarktzinsen, desto höher fallen die Überschüsse aus, mit denen steigende Kosten kompensiert und die Beiträge der Policen stabil gehalten werden. An den Erträgen werden die Versicherungsnehmer in Form einer Überschussbeteiligung bedacht. Diese werden in der Berufsunfähigkeitsversicherung als Sofortrabatt auf den Bruttobeitrag verrechnet. Einige Private Krankenversicherer gewähren gar erfolgsabhängige Beitragsrückerstattungen.

Niedrige Zinsen jedoch bedeuten rückläufige Überschüsse, die die Beitragsstabilität gefährden. In Folge der jahrelang sinkenden Zinsen musste der Höchstrechnungszins für die Lebensversicherer und privaten Krankenversicherer angepasst werden. Betrug der Höchstrechnungszinssatz im Jahr 2000 noch 4%, ist dieser im Laufe der Jahre gesunken und beträgt aktuell 0,9%. Im selben Maße ist auch der Garantiezins gesunken und beträgt aktuell ebenfalls 0,9% und ist damit historisch niedrig.

Beitragserhöhungen in der PKV und BU treffen Verbraucher

Diese Entwicklung geht auch an den privaten Krankenversicherern und den Berufsunfähigkeitsversicherungen nicht spurlos vorüber. Während die Private Krankenversicherung ihre Beiträge jährlich anpasst, waren viele Berufsunfähigkeitsversicherungen erstmals gezwungen ihre Nettobeiträge nach oben anzupassen. Für die Private Krankenversicherung meldet das Fachportal test-private-krankenversicherung.net Beitragserhöhungen in 2017 von bis zu 50% in einzelnen Tarifen und verweist erneut auf die Testergebnisse der Ratingagenturen. Betroffen seien in erster Linie ältere Versicherte unter den Bestandskunden. Aber auch Neukunden müssen mit teils deutlich höheren Prämien bei Neuabschlüssen rechnen. Das Fachportal rät betroffenen Versicherten vom gesetzlichen Recht auf ein Tarifwechsel innerhalb des Versicherers Gebrauch zu machen. Der Versicherer ist auf Nachfrage verpflichtet, alternative Tarife anzubieten und über den Leistungsumfang zu beraten.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung weist immer zwei und in den meisten Fällen unterschiedliche Beiträge aus. Den höheren Bruttobeitrag und den Nettobeitrag (tatsächlich zu zahlende Prämie). Während der Bruttobeitrag der versicherungsmathematischen Risikokalkulation entspringt, entspricht der Nettobeitrag dem um die sofortige Überschussbeteiligung bereinigten Bruttobeitrag. Der Versicherer beteiligt seine Kunden an den erzielten Überschüssen und gewährt auf den Bruttobeitrag einen Sofortrabatt. Da jedoch die Überschussbeteiligung erfolgsabhängig erfolgt und nicht garantiert werden kann, schlagen sich die Folgen der niedrigen Zinsen in Form von höheren Kosten für Verbraucher nieder. Der Nettobeitrag steigt und damit der monatliche Zahlbetrag.

Sowohl für Neukunden als auch für Bestandskunden steigen die Beiträge in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Im Durchschnitt betragen die Beitragserhöhungen zwischen 2% bei älteren Versicherten ab 45 Jahren bis hin zu 5% für jüngere Versicherte bis 25 Jahre. Am deutlichsten fallen die Prämienerhöhungen in Tarifen aus, bei denen der Nettobeitrag deutlich niedriger ist als der Bruttobeitrag. Hier machen Experten ein hausgemachtes Problem der Versicherer aus. Diese würden über ambitioniert niedrige Beiträge versuchen ihr Neukundengeschäft anzukurbeln.

Bedeutung der Testergebnisse und Vergleich der Berufsunfähigkeitsversicherungen

Verbraucherschützer und Experten wie z.B. von der Stiftung Warentest empfehlen, vor dem Abschluss die Tarife auf dem Markt genau zu vergleichen. So wurden Preisunterschiede selbst bei gleichen Leistungen und Vertragsbedingungen von bis zu einigen hundert Euro im Jahr ausgemacht. Auch das Fachportal zur Berufsunfähigkeitsversicherung rät zum Vergleich der BU-Policen und verweist auf der Webseite auf die Testergebnisse namhafter Ratingagenturen und Analysten. So zeigen Testergebnisse der Analysehäuser Franke & Bornberg und Morgen & Morgen Berufsunfähigkeitsversicherungen mit besonders soliden Bilanzen und wirtschaftlicher Ertragskraft. Diese ist maßgeblich für die Beitragsentwicklung in der Zukunft entscheidend.

Deshalb lohnt der Vergleich des Bruttobeitrags bei vergleichbar umfangreichen Leistungen. Im Gegensatz zum Nettobeitrag ist der Bruttobeitrag über die gesamte Vertragslaufzeit garantiert und darf nicht erhöht werden. Der Vergleich von Berufsunfähigkeitsversicherungen über den Nettobeitrag kann sich schnell zur Kostenfalle entwickeln, so das BU-Fachportal.

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