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Transaktionsmonitor des PwCFusionen und Übernahmen von Kliniken gestiegen

Der Umbruch des Gesundheitssektors wird in der Transaktionsdynamik deutlich. Verglichen mit dem Vorjahr gab es laut Wirtschaftsprüfer PwC noch mehr Fusionen und Übernahmen. Die Corona-Krise kann diese Entwicklung kurzfristig bremsen.

Übernahme
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Symbolfoto

Die Konsolidierung des deutschen Gesundheitsmarktes setzt sich weiter fort: Für das Jahr 2019 verzeichnet die Branche insgesamt 106 Fusionen und Übernahmen. Im Vergleich zum Vorjahr, das bereits durch ein dynamisches Geschehen geprägt war, ist die Zahl der Transaktionen damit um sieben weitere gestiegen. Knapp die Hälfte der Käufe wurden im Bereich der niedergelassenen Leistungserbringer und Labore getätigt, die sich vor allem für Finanzinvestoren zu attraktiven Zielen entwickelten. Das sind zentrale Ergebnisse des „Transaktionsmonitors Gesundheitswesen“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

„Das deutsche Gesundheitswesen befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Stark fragmentierte Märkte – selbst in Ballungsräumen – bieten ein großes Konsolidierungspotenzial“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. „Für Investoren ist der Gesundheitsmarkt so attraktiv, weil er im Vergleich zu anderen Branchen weitgehend unabhängig ist von konjunkturellen Schwankungen. Zudem ist das deutsche Gesundheitswesen von steigenden Patientenzahlen und einer hohen Bonität geprägt.“

Die Corona-Krise bremst den Transaktionsmarkt im zweiten Quartal

Allerdings rechnet der Gesundheitsexperte damit, dass die Transaktionen durch die Corona-Krise zumindest kurzfristig zurückgehen dürften und sich auf kleinere Zukäufe etablierter Unternehmen beschränken werden. „Mittelfristig wird sich der Markt jedoch erholen. Diese Entwicklung könnte sich dadurch beschleunigen, dass die Krise gezeigt hat, wie enorm wichtig ein funktionierendes Gesundheitssystem ist“, prognostiziert Michael Burkhart. Die Erholung wird auch deshalb schnell gelingen, weil die Organisationen im deutschen Gesundheitswesen ein gutes Krisenmanagement zeigen.

„Ich führe das darauf zurück, dass größere Verbünde – etwa im Bereich der Labore – sich schneller und bundesweit einheitlich an die neuen Anforderungen anpassen können”, kommentiert der PwC-Gesundheitsexperte. Auch die Telemedizin dürfte durch die Krise weiter an Bedeutung gewinnen – schon jetzt verzeichnen die Anbieter eine hohe Nachfrage nach Online-Sprechstunden, bedingt durch die Auswirkungen der Pandemie. „Obwohl die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch am Anfang steht, ist davon auszugehen, dass sie enorm an Bedeutung gewinnt und damit auch für eine steigende Zahl an Transaktionen sorgen wird“, kommentiert Alexander von Friesen, Partner und M&A-Experte bei PwC Deutschland.

Niedergelassene Leistungserbringer: Fokus auf Zahnmedizin

Besonders dynamisch entwickelt sich der Markt im Bereich der niedergelassenen Leistungserbringer und Labore mit insgesamt 46 Transaktionen (2018: 33). Die Hälfte davon wurde mit Beteiligung von Private-Equity-Firmen geschlossen. Gerade die Zahnmedizin ist von Interesse für Finanzinvestoren, die ihre Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) weiter ausbauen, darunter der Verkauf der zahnmedizinischen Kette Zahneins durch Summit Partners an PAI Partners zum Jahresbeginn 2020. Weitere wichtige Transaktionen im niedergelassenen Sektor waren 2019 die Übernahme des Radioonkologischen Netzwerks durch Summit Partners, der Erwerb des Zentrum Gesundheit durch die Nord Holding und der Kauf der Radiologie-Kette Meine Radiologie Holding durch Triton Partners. Das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz, das mit Einschränkungen für die MVZ verbunden ist, wirkt sich offenbar nicht auf das Transaktionsgeschehen aus. Durch die Corona-Krise wird es in den kommenden Monaten voraussichtlich aber zu weniger größeren, fremdfinanzierten Transaktionen kommen.

Krankenhäuser: Wettbewerb treibt Transaktionsgeschehen

Krankenhäuser und Fachkliniken in Deutschland stehen unter einem hohen Wettbewerbs- und Kostendruck, etwa durch eine Stagnation der Fallzahlen, den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen – verschärft noch durch die Einführung der Pflegepersonalgrenze – und den Fixkostendegressionsabschlag. Das führt zu insolvenzgetriebenen Trägerwechseln und strategischen Zusammenschlüssen, insgesamt 26 im Jahr 2019 (2018: 29). Davon sind besonders Krankenhäuser in freigemeinnütziger und teilweise auch in öffentlicher Trägerschaft betroffen. Wichtige Transaktionen waren der Erwerb der Rhön Kliniken durch Asklepios, der Kauf der Caritas Trägergesellschaft West durch die Josefs-Gesellschaft und den Caritasverband des Bistums Aachen sowie die Veräußerung der DRK Kliniken Berlin Brandenburg an die KMG Kliniken im Zuge eines Insolvenzverfahrens.

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