Boris Augurzky zum Kauf von Quirónsalud

"Helios' Deal in Spanien läutet eine neue Ära ein"

Grenzüberschreitende Krankenhausunternehmen sind bislang eher eine Seltenheit. "Durch den Griff nach der spanischen Klinikkette Quirónsalud beginnt Fresenius Helios in dieser Hinsicht eine neue Ära", kommentiert Branchenexperte Boris Augurzky gegenüber kma die 5,76 Milliarden Euro schwere Übernahme. Das Gesundheitswesen stehe möglicherweise vor dem neuen Trend zur Internationalisierung.

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Boris Augurzky sieht einen neuen Trend zur Internationalisierung des Gesundheitswesens. Er leitet den Kompetenzbereich Gesundheit am RWI.

Foto: RWI

Quirónsalud bietet stationäre wie ambulante Versorgung und bringe viel Erfahrung mit Public-Private-Partnership-Modellen (PPP) mit, erklärt Fresenius nach dem Kauf der Kette.

Foto: Quirónsalud

"Wir werden sehr viel voneinander lernen", sagt Helios-Chef Francesco De Meo.

Foto: Helios

"Wer im Gesundheitswesen als Leistungserbringer tätig ist, dessen Tätigkeitsfeld endet oft an den nationalen Grenzen", sagt Augurzky. Der Weg ins Ausland – selbst innerhalb der EU – sei eher selten, weil dort das spezielle Know-how über die Unmenge an nationalen gesetzlichen Regelungen seine Bedeutung verliere, erklärt der Verfasser des Krankenhaus Rating Reports und Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Die Übernahme von Quirónsalud mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz könne allerdings ein Wendepunkt sein. "Gesellt sich zu dem Trend zur Digitalisierung des Gesundheitswesens nunmehr ein Trend zur Internationalisierung", fragt Augurzky: "Und werden sie in der Kombination eine noch viel größere Dynamik entfalten?"

Für Francesco De Meo, Vorsitzender der Helios-Geschäftsführung und Vorstand des Unternehmensbereichs Fresenius Helios steht Quirónsalud für Qualitätsorientierung und habe in den vergangenen Jahren "eine eindrucksvolle Entwicklung durchlaufen". "Damit passt die Gruppe hervorragend zu uns – auch und vor allem –, weil wir sehr viel voneinander lernen werden", sagt De Meo: "Beide Marken, Quirónsalud in Spanien und Helios in Deutschland, bleiben bestehen." Quirónsalud-Mitgründer Víctor Madera werde neben seiner Funktion als CEO von Quirónsalud eine aktive Rolle in dem zusammengeführten Unternehmen haben.

"Die Übernahme ist ein weiterer strategischer Schritt für Fresenius, Patienten weltweit qualitativ hochwertig und gleichzeitig bezahlbar zu versorgen", sagte Fresenius-Vorstandschef Stephan Sturm. "Unsere Patienten werden vom künftigen Austausch von Wissen und Erfahrung profitieren." Auch Víctor Madera sieht die beiden Unternehmen als "ideale Partner". Er setze auf "partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Francesco De Meo", sagte der Quirónsalud-Mitgründer.

 

Jährlich mehr als fünf Prozent Umsatzwachstum

Quirónsalud betreibt Helios zufolge 43 Krankenhäuser, 39 ambulante Gesundheitszentren und rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter. Die Gruppe sei in allen wirtschaftlich wichtigen Ballungsräumen Spaniens vertreten, heißt es. Entstanden sei Quirónsalud im Jahr 2014 durch den Zusammenschluss von IDC Salud ("IDC") und Grupo Hospitalario Quirón ("GHQ").


In den vergangenen Jahren habe die Klinikkette ein organisches Umsatzwachstum von jährlich mehr als fünf Prozent verzeichnet. Grundlage für diese Entwicklung sei die im Vergleich zum Markt überproportionale Zunahme von Patientenzahlen. Darüber hinaus hätten Krankenhausneubauten und Akquisitionen zum Umsatzanstieg beigetragen. Zukünftig bilde die enge Verzahnung der kürzlich erworbenen Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement mit Quirónsaluds Krankenhäusern eine weitere Wachstumsquelle.

 

Synergien in Millionenhöhe

Für das laufende Jahr rechnet Quirónsalud den Angaben zufolge mit einem Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro und einem EBITDA von 460 bis 480 Millionen Euro. 2017 soll der EBITDA demnach auf 520 bis 550 Millionen Euro steigen. Durch den Zusammenschluss mit Helios werden mittelfristig ohne nennenswerte Implementierungsaufwendungen Synergien von jährlich 50 Millionen Euro vor Steuern erwartet.

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