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Digitalisierung42 Milliarden Euro-Einsparpotenzial im Gesundheitswesen?

Einer Studie des Beratungsunternehmens McKinseys zufolge, könnten die Kosten im deutschen Gesundheitswesen durch den stärkeren Einsatz digitaler Hilfsmittel deutlich gesenkt werden. Rund 42 Milliarden Euro könne man laut einer Analyse einsparen.

Sparschwein
Andy Dean/stock.adobe.com

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Die Digitalisierung im Gesundheitswesen birgt die Chance, 42 Milliarden Euro im deutschen Gesundheitswesen einzusparen – und das jedes Jahr. Dies entspricht rund 12 Prozent der gesamten jährlichen Gesundheits- und Versorgungskosten von zuletzt 343 Milliarden Euro. So habe sich das Potenzial der Digitalisierung im Gesundheitswesen innerhalb von vier Jahren um rund acht Milliarden Euro oder 24 Prozent erhöht. 2018 hatte McKinsey die Vorgängerstudie durchgeführt.

Durch den stärkeren Einsatz digitaler Technologien wie u. a. den Einsatz der elektronischen Patientenakte (ePA), mehr Telemedizin - und Online-Terminvereinbarungen etc. könne die Versorgungsqualität sowie Kosteneffizienz erhöht und die Behandlungssituation für Patient*innen und Personal verbessert werden. Durch die Produktivitätssteigerung bei den Leistungserbringern (61 Prozent) und eine Nachfragereduzierung (39 Prozent) würden alle Akteure im Gesundheitswesen profitieren. Das geht aus der neuen Studie von McKinsey & Company mit dem Titel „Digitalisierung im Gesundheitswesen: die 42-Milliarden-Euro-Chance für Deutschland". Hierbei wurde das Nutzenpotenzial von 26 digitalen Gesundheitstechnologien analysiert und in sechs Lösungskategorien zusammengefasst.

Größter Nutzen entsteht durch Digitalisierung von Patientendaten

Trotz des immensen Potentials kommt die Umsetzung von Digitalvorhaben nur schleppend voran. Immer wieder werden Datenschutz-Bedenken angeführt, auf der anderen Seite fürchten Ärzte und Apotheker Anwendungsprobleme im Alltag. Doch richtig eingesetzt könnte die Digitalisierung im Gesundheitswesen einen massiven Nutzen bringen, so McKinsey-Studienautor Stefan Biesdorf.

Konkret benennen die Autoren folgende Lösungskategorien:

  1. Online-Interaktionen, z. B. durch Telekonsultationen oder Fernüberwachung/Management chronisch Erkrankter. Hierdurch könnten 12 Milliarden Euro eingespart werden (2018: 8,9 Milliarden Euro)
  2. Papierlose Datenverarbeitung, z. B. durch die ePA und das E-Rezept. Das Kostenreduktionspotenzial wird mit 9,9 Milliarden Euro beziffert (2018: 9,0 Milliarden Euro).
  3. Automatisierung, z. B. durch die mobile Vernetzung von Pflegepersonal oder die auf Barcodes basierte Medikamentenverabreichung. Ausgaben von 6,7 Milliarden Euro könnten vermieden werden (2018: 6,1 Milliarden Euro).
  4. Entscheidungsunterstützung durch Datentransparenz, anhand des Einsatzes von Software, die Doppeluntersuchungen reduzieren. 6,4 Milliarden Euro Sparpotenzial (2018: 5,6 Milliarden Euro).
  5. Patientenselbstbehandlung mit Hilfe von DiGAs oder digitale Diagnosetools. Hierin liegt die Chance 4,6 Milliarden Euro einzusparen (2018: identisch).
  6. Patienten-Self-Service wie Online-Terminvereinbarungen, welche den Personalaufwand reduzieren. 2,5 Milliarden Euro geringere Ausgaben (2018: identisch).

Die Produktivitätssteigerungen bei den Leistungserbringern (25,8 Milliarden Euro) verteilen sich auf die stationäre Krankenhausversorgung (12,4 Milliarden Euro), die ambulante (hausärztliche) Versorgung (11,1 Milliarden Euro) und andere Bereiche (2,3 Milliarden Euro), z.B. die Langzeitpflege. Die Ressourcenverwaltung durch Radiofrequenz-Identifikation (RFID) etwa verbessere die Effizienz des Personals und reduziere Inventarverluste in Akutkrankenhäusern. „Das kommt den Patienten zugute, da ärztliches und anderes medizinisches Personal mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten hat“, stellte Stefan Biesdorf fest.

Die Verringerung des medizinischen Bedarfs (16,4 Milliarden Euro) entstünde aus der Vermeidung unnötiger Doppeluntersuchungen oder einer Verlagerung hin zu weniger invasiven Untersuchungsmethoden. Das verbessere gleichzeitig die Qualität der Behandlung und die Patientenerfahrung. Als Beispiel nannte Junior Partnerin Kristin Tuot, ebenfalls Co-Autorin der Studie, die Reduzierung der stationären Krankenhausaufenthalte chronisch kranker Menschen dank Fernüberwachung.

Die Digitalisierung verspreche darüber hinaus einen Nutzen auch für angrenzende Bereiche der Wertschöpfungskette. Ein besserer Datenaustausch z.B. eröffne die Möglichkeit einer gezielteren pharmazeutischen Forschung und Entwicklung mit einer entsprechend höheren Wirksamkeit von Therapien.

Hälfte des Potenzials liegt in fünf Technologien

Betrachtet man die 26 digitalen Technologien im Einzelnen, sind wie 2018 einige Technologien besonders relevant: Fünf der 26 priorisierten Technologien machen mit fast 22 Milliarden über die Hälfte des gesamten Nutzenpotenzials von 42 Milliarden Euro aus. An der Spitze steht wie schon 2018 die ePA. Ihr flächendeckender Einsatz ermöglicht der McKinsey-Analyse zufolge einen Nutzen in Höhe von 7,0 Milliarden Euro, das sind noch einmal neun Prozent mehr als 2018. Auf den weiteren Plätzen folgen Telekonsultation (5,7 Milliarden Euro), Fernüberwachung chronisch kranker Menschen (4,3 Milliarden Euro), elektronische Terminvereinbarung (2,5 Milliarden Euro) und Tools für das Management chronisch Erkrankter (2,4 Milliarden Euro).

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