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KHZG„Der Druck auf die Kliniken wird immer höher“

Michael Waldbrenner, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Clinical Solutions GmbH (DTCS), spricht mit der kma über die Schwierigkeiten, die IT-Abteilungen bei der Umsetzung haben – und die Furcht davor, dass das KHZG ein teures Strohfeuer bleiben könnte.

Michael Waldbrenner
Joerg Heupel/Deutsche Telekom

Michael Waldbrenner ist seit 2014 Geschäftsführer der Deutsche Telekom Clinical Solutions GmbH (DTCS).

Herr Waldbrenner, in der Branche wachsen die Zweifel, ob der im KHZG vorgesehene Zeitplan umgesetzt werden kann. Wie beurteilen Sie die Situation?

Das KHZG sollte die Kliniken und die Industrie dazu bringen, eine Digitalisierungs- Strategie für die Häuser zu entwickeln und umzusetzen. Dazu sollten auch die Fördertatbestände und Malus-Regelungen beitragen. Einige Kliniken haben leider keine Digitalisierungs-Strategie entwickelt. Sie haben sich auf die Fördertatbestände mit den Malus-Regelungen fokussiert. Das ist aber keine Digitalisierungs-Strategie, die Kliniken, Ärzten, Pflegekräften und vor allen Dingen den Patientinnen und Patienten langfristig hilft.

Verdaddeln die Kliniken eine Chance?

Man kann den Klinikbetreibern keinen Vorwurf machen. Viele hatten weder die personellen Ressourcen noch die Mittel, um solche Projekte vorzubereiten. Und weil die Vorbereitung fehlte, wird der Druck auf den Kessel in den Kliniken permanent höher. Sie brauchen immer mehr Ressourcen, um die geplanten Projekte in immer kürzerer Zeit realisieren zu können. Die Industrie ebenso. Aber die Kunden müssen die KHZG-Projekte auch stemmen können. Dafür fehlt die Zeit.

Gleichzeitig gibt es aber im KHZG feste Fristen für Strafzahlungen ...

Die Malus-Regelungen sind leider immer noch nicht ausdefiniert. In den Bewilligungen sehen wir, dass für als endgültig gesetzte Enddaten statt ‚muss‘ nun ‚soll‘ verwendet wird. Man geht offenbar davon aus, dass die Enddaten für die Umset- zung gerissen werden. Es wird nur nicht laut ausgesprochen. Uns ist klar, dass die Umsetzung in der vorgegebenen Zeit schwierig, vielleicht sogar unmöglich ist. Aber es wäre gut, wenn der Gesetzgeber den Druck auf den Kessel hochhält.

Experten befürchten, dass das KHZG ein milliardenteures Strohfeuer bleibt ...

Die Gefahr besteht. Wir brauchen eine langfristige Strategie. Der Digitalisierungschub muss über das Jahr 2024 hinausgehen, und die Lücken, die wir entdeckt haben, müssen geschlossen werden. Das sehen wir bisher nicht. Daher ist für uns auch die Frage der Anschlussfolgefinanzierung des KHZG-Investments ein großes Thema. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat bei der DMEA eine neue Digitalisierungs-Strategie für das Gesundheitswesen in Deutschland angekündigt. Unsere Hoffnung ist, dass dabei die Digitalisierung der rund 1 900 Kliniken in Deutschland eine wichtige Rolle spielt. Nur wenn das der Fall ist, können Ärzte und Pflegende entlastet sowie die Patienten besser versorgt werden. Entscheidend ist dabei, dass der digitale intersektorale Austausch der Kliniken mit niedergelassenen Ärzten, Rehaeinrichtungen und vieles mehr optimiert wird.

Einige KHZG-Projekte wie Patientenportale machen Kliniken noch angreifbarer für Attacken. Sind diese mit den hohen Sicherheitsvorgaben überfordert?

Es gibt nur wenige große Krankenhäuser beziehungsweise Träger, die sich gute Spezialisten leisten können und diese auch bekommen. Das gilt aber nicht für die Mehrheit der Kliniken, die sehr vulnerabel sind. Die Umsetzung des KHZG forciert die Situation. Der hohe Termindruck kombiniert mit mangelnden Ressourcen bringt viele IT-Abteilungen an den Rand der Belastbarkeit und darüber hinaus.

Immer öfter greifen Häuser bei der IT- Sicherheit auf externe Serviceanbieter zurück. Ist das die Zukunft?

Definitiv. Der Gesetzgeber hat die KRITIS- Bedingungen verschärft, die Anforderungen für die Kliniken sind enorm. Zudem werden die Angriffe immer raffinierter. Das führt in vielen IT-Abteilungen zu Überforderung. Wir bieten deshalb den Kliniken ein Cyber-Security-Paket an, das auch einige Großkonzerne einsetzen. Über 1600 hoch spezialisierte Experten arbeiten im Security-Bereich. Diese sind an 365 Tagen rund um die Uhr erreichbar. Sie überwachen die IT-Systeme, erkennen frühzeitig verdächtiges Verhalten und leiten Gegenmaßnahmen ein. Das kann in dieser Dimension kein Krankenhaus leisten.

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